Capítulo 3: Kapitel 2

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Das Erste das ich wahrnehme ist das Bellen eines Hundes. Es hallt in meinen Ohren.

Wo bin ich? Und wie bin ich hierhergekommen?

Dann kommen die Gerüche.

Feuchte Erde. Morsches Holz. Harz und Pilze.

Und dazwischen etwas Schweres, Kaltes, das an Eisen erinnert,

das zu lange im Regen gelegen hat.

Unter allem liegt der salzige Hauch des Meeres. Ein vertrauter Geruch.

Für einen Moment tröstet er mich.

Ich öffne die Augen.

Das Bellen ist verstummt. Über mir rauschen Zweige im Wind.

Ich liege unter einer uralten Eiche, meine Wange klebt an einer Wurzel.

Die Luft ist kühl.

Das Meer bricht leise gegen das Ufer. Doch da ist noch ein anderes Geräusch.

Ein fernes Summen, tief und gleichmäßig.

Bienen?

Nein.

Hornissen. Ein ganzer Schwarm.

Ich blinzele in das matte Licht zwischen den Zweigen.

Alles wirkt seltsam still und gleichzeitig voller Bewegung.

Am Rand meines Blickfeldes huscht etwas.

Zwischen alten Steinen läuft ein kleiner Mann. Ganz in Schwarz.

Seine Bewegungen sind hektisch.

Der linke Arm rudert wie der Flügel einer kranken Möwe, mit der rechten Hand

hält er sich das Ohr.

Hat er Schmerzen?

Seine Lippen bewegen sich, doch seine Worte erreichen mich nur in Fetzen.

Er wirkt wie jemand, der vor einem Schatten flieht, den nur er sehen kann.

Vielleicht vor mir.

Ich schaue auf meine Hände.

Sie sind nicht mehr gefesselt. Doch unter meinen Fingernägeln steckt Erde.

Mein Hinrichtungsgewand aus grobem Leinen ist zerrissen und schwer vom Dreck.

Es sieht aus wie an dem Tag, als sie mich auf den Karren hoben.

Die brennenden Schmerzen der Peitschenhiebe sind verschwunden.

Vielleicht hat man im Himmel keine Schmerzen mehr.

Ich atme ein.

Und wieder aus.

Kann man im Himmel atmen?

Meine Finger fahren über meinen Hals. Er ist frei.

Der Strick, das Letzte, was ich spürte, bevor man mir den Boden

unter den Füßen wegzog, ist verschwunden.

Ich wurde hingerichtet. Ermordet.

Über mir liegt eine Nacht, die nicht ganz dunkel ist.

Der Himmel scheint heller als er sein sollte.

Vielleicht ist bei Gott alles heller.

Doch etwas stimmt nicht.

Langsam komme ich auf die Knie und robbe vorwärts.

Meine nackten Beine streifen kleine, glatte Steine.

Unter mir ist kein Waldweg, wie ich ihn kenne.

Ein Frösteln kriecht über meinen Rücken.

Um mich herum ragen steinerne Tafeln aus dem Boden. Manche sind schief und bemoost.

Andere tragen Zeichen, die ich nicht verstehe.

Meine Finger fahren über die Einkerbungen.

Es fühlt sich rau und kalt an.

Und doch seltsam lebendig.

Zwischen den Steinen erkenne ich dunkle Gestalten aus Stein. Gesichter, die im Schatten

verborgen bleiben.

Ein Wald voller Steine.

Ich hebe den Blick.

Der Mond steht wie immer als schmale Sichel über den Baumwipfeln.

Und doch fühlt sich alles falsch an.

„Matthes?“

Meine Stimme klingt brüchig.

Kein Wunder. Ich baumelte an einem Strick.

Er hat mir versprochen, bei meinem letzten Atemzug bei mir zu sein.

Vielleicht habe ich überlebt.

Vielleicht.

Doch wo ist er?

Und wo ist Alina?

Ich drehe mich im Kreis und starre in die Dunkelheit.

„Matthes, wo bist du?“

Nur der Wind antwortet.

In meiner Erinnerung höre ich seine Stimme.

„Drei Monde gibt es, Sina. Einer für dich. Einer für mich.

Und einer für das, was wir nie begreifen werden.“

Damals haben wir gelacht.

Jetzt bin ich allein.

Ich stehe auf. Meine Beine zittern, doch ich halte mich aufrecht.

Ein Käuzchen ruft im Wald. Sein Flügelschlag beruhigt mich.

Doch dann höre ich ein anderes Geräusch.

Ein tiefes Grollen.

Wie ein Gewitter hinter fernen Hügeln.

Der Geruch erreicht mich zuerst. Scharf und fremd. Mein Atem wird schwer.

Ich kenne so etwas nur von Rauch und Feuer.

Doch hier sehe ich kein Feuer.

Ich lehne mich gegen einen kalten Stein.

Tränen laufen über mein Gesicht.

Ich versuche leise zu weinen, damit mich das, was da kommt, nicht hört.

Der Boden beginnt zu zittern.

Etwas nähert sich.

Keine Hufe.

Keine Schritte.

Etwas Größeres.

Das Summen kehrt zurück.

Doch diesmal mischt sich ein heller Ton darunter, ein seltsames Jaulen.

Ich hebe den Kopf.

In einer Öffnung der Felsmauer erscheint ein Licht.

Es ist blau und kalt und zappelt wie ein gefangener Fisch.

Dann sehe ich das Ungeheuer.

Weiß irgendwie glänzend. Es rollt ohne Pferd, ohne Wagenräder, ohne Hufgetrappel.

Es rollt und summt.

Noch zwei weitere folgen.

Meine Kehle wird trocken.

Der Teufel selbst atmet.

Ich bin in der Hölle.

Oh Herr, hilf mir.

Die drei Ungeheuer bleiben stehen.

Wenn sie rollen, summen sie. Wenn sie halten, schweigen sie.

Doch die blauen Lichter flackern weiter.

Aus den Ungeheuern steigen Menschen.

Große Menschen. In dunkelblauen Gewändern mit seltsamen Kopfbedeckungen.

Ihre Stimmen klingen hart wie gehämmerter Stein.

Ich will zurückweichen, doch mein Fuß knickt um.

Ich rutsche in eine Senke.

Etwas Kaltes berührt meine Haut.

Ich drehe mich um.

Und mein Atem stockt.

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