Chương 12: Eliza – Pizzeria

Chương này chưa có bản dịch bằng Vietnamese. Đăng nhập để dịch và chia sẻ miễn phí cho mọi người cùng thưởng thức.

Die Tür der Pizzeria schwingt schwer hinter mir zu. Kein Klingeln, nur dieses satte Geräusch von Holz, das sagt: Hier drinnen ist es warm.

Der Duft schlägt mir sofort entgegen, gebackener Teig, Tomaten, Basilikum, ein Hauch Knoblauch. Stimmen liegen übereinander, Gläser klirren, irgendwo lacht ein Kind zu laut, ein anderes quengelt. Eine Espressomaschine zischt. Leben, dicht und ganz gegenwärtig.

Ich bleibe einen Moment stehen.

Der Raum ist nicht groß, aber tief. Alte Backsteinwände, stellenweise weiß gekalkt. Dunkle Holztische, an den Kanten abgeschabt. An den Wänden Schwarz-Weiß-Fotografien aus Italien, leicht schief gerahmt. Warmes Licht, kein Spot, eher dieses sanfte Gelb, das nichts ausstellt und nichts verbirgt.

Ich sehe Thomas sofort.

Er sitzt am Fenster, halb im Schatten, halb im Licht der Straße. Die dunkelblaue Strickjacke hängt über der Stuhllehne, darunter das helle Shirt. Seine Hände liegen ruhig um ein Wasserglas gelegt. Er wirkt, als würde er warten, ohne ungeduldig zu sein.

Als er mich bemerkt, hebt er den Kopf.

Nicht hastig.

Nicht suchend.

Nur dieses kleine Aufleuchten, das mir unvermittelt durch den Bauch fährt.

Es war gut, die Nummern zu tauschen, denke ich, während ich auf ihn zugehe.

Gestern Abend hatte ich ihm geschrieben. Nicht viel. Nur Auszüge aus dem Tagebuch. Dass Alma vom Bauernhof geflohen sei und bei einer Frau namens Ireen Stiller untergekommen war.

Mehr ins Detail wollte ich nicht gehen, ich war mir nicht sicher, ob ich nicht zu aufdringlich wirke.

Seine Antwort kam prompt.

Pizza morgen Abend?

Ich lade dich ein, wenn niemand sonst etwas dagegen hat.

Ich habe da eine gute Idee. Lass mich mal machen, ich habe morgen meinen freien Tag, und ich versuche etwas…

Ich hatte gelächelt, als ich zurückgeschrieben habe.

Pizza morgen Abend steht.

Und für gute Ideen bin ich immer zu haben.

„Hallo“, sagt er, als ich den Tisch erreiche.

„Hallo.“

Ich setze mich. Der Stuhl knarzt leise. Ich ziehe meine Tasche näher heran, lege die Hände auf den Tisch, nur um ihnen etwas Halt zu geben. Ich merke, dass ich aufgeregt bin. Nicht nervös. Eher wach.

„Schön, dass du da bist“, sagt er.

„Danke für die Einladung“, sage ich und schiebe ich ein Lächeln hinterher. „Nicht, dass jemand auf dich wartet.“

Er lacht leise und schüttelt den Kopf.

„Nein. Seit einem Jahr nicht mehr.“

Er sieht mich offen an.

„Und du?“

„Frisch getrennt“, sage ich.

Der Satz sitzt. „Und glücklich damit.“

Etwas löst sich zwischen uns. Kein großer Moment. Eher ein stilles Einrasten.

Die Kellnerin kommt. Mitte dreißig vielleicht, dunkle Haare zum Knoten gebunden, die Schürze locker um die Hüften.

„Ich nehme eine Pizza Paprika und eine Cola Zero“, sage ich.

„Die Pizza mit extra Basilikum, wenn das geht.“

„Geht“, sagt sie lächelnd.

Thomas bestellt Tagliatelle al Ragù.

„Wie immer“, sagt er fast entschuldigend.

„Klassische Bolognese, bewährt und was ganz feines“, sage ich.

Als sie geht, zieht eine Familie mit zwei Kindern an uns vorbei. Der Junge stößt beinahe gegen unseren Tisch, der Vater zischt leise, die Mutter entschuldigt sich im Vorbeigehen. Alltag. Laut. Lebendig.

Als das Essen kommt, duftet es schwer und gut. Meine Pizza dampft, der Mozzarella zieht feine Fäden, der Basilikum glänzt dunkelgrün zum satten rot der Paprika.

Seine Nudeln liegen in dicker, dunkler Soße, langsam, sättigend.

Thomas schiebt meinen Teller ein Stück näher zu mir. Unsere Finger streifen sich dabei. Nur ein Hauch. Keiner zieht die Hand zurück.

Ich nehme ein Stück Pizza, verbrenne mir fast die Finger, lache leise über mich selbst.

„War ein langer Tag, was?“ fragt er und dreht die Gabel langsam zwischen den Fingern.

„Ja“, sage ich. Mehr braucht es nicht.

Ich merke, dass ich langsamer esse als sonst. Dass ich öfter hochsehe, als auf den Teller. Dass ich ihn beobachte, wie er spricht, wie er kurz innehält, bevor er etwas sagt.

„Was machst du eigentlich genau?“, fragt er.

„Ich bin Archivarin“, sage ich. „In London. In einem Museum für Sozial- und Alltagsgeschichte.“

Er nickt.

„Dann passt das ja.“

„Was meinst du?“

Er lächelt schief.

„Du gräbst alte Leben aus Archiven aus. Ich verbringe meine Tage mit Menschen, die ganze Leben in sich tragen.“

Ich sehe ihn an.

„Beide arbeiten wir mit Dingen, die man nicht wegwerfen darf“, sage ich.

„Und die man vorsichtig anfassen muss“, ergänzt er.

Einen Moment halten wir den Blick.

„Sonst zerfallen sie“, sage ich.

„Oder fangen an zu erzählen“, sagt er leise.

Ich lächle.

„Ich war heute noch gar nicht bei meiner Oma. Wie war dein Tag?“

Sein Blick wird weich.

„Gut“, sagt er. „Sehr gut sogar. Ich war nur kurz im Heim, auf dem Sprung.“

Ein kleines Lächeln.

„Alma hat gelächelt, als ich kam. Und … ich bin mir ziemlich sicher, dass sie meine Hand gestreichelt hat.“

„Ach was“, sage ich gespielt empört und schneide mir ein weiteres Stück Pizza ab. „Und mich schaut sie nicht mal an.“

Er sieht mich an.

„Ja, das geht mir sonst genauso, aber heute war sie irgendwie… aufgeschlossener.“

Ich lege das Besteck ab.

„Schade, dass ich nicht da war.“

„Schön aber, dass du jetzt hier bist“, sagt er ruhig.

Mein Herz schlägt schneller.

„Ich habe eine Überraschung für dich.“

Er greift in seine Tasche und legt ein Foto auf den Tisch.

Das Papier ist leicht gewellt, die Kanten weich, als wäre es oft in der Hand gewesen.

„Ich war heute im Zeitungsarchiv der Stadt“, sagt er. „Nicht in den offiziellen Akten. In den alten Jahrgängen. Lokales. Vermischtes.“

Ich beuge mich vor.

„Ireen Stiller“, sagt er. „war Lady Ireen Stiller. Ihr Mann, Sir Geoffrey Stiller, war Offizier. Er ist 1942 gefallen. Danach taucht sie immer wieder auf. Kleine Meldungen. Spenden. Hilfsaktionen.“

Er hält kurz inne.

„Im November 1943 wurde ihr Haus beschlagnahmt“, fährt er fort. „Man hat es in ein Lazarett umgewandelt. Sie durfte bleiben. Zwei Räume. Küche und ein kleines Zimmer unterm Dach.“

Ich halte den Atem an und nicke langsam.

„Ok, dann sag ich dir jetzt was im Tagebuch genau steht: Alma ist in derselben Nacht geflohen, in der der Bauer zudringlich wurde“, sage ich.

Thomas hört zu. Unterbricht mich nicht.

„Sie wollte Emely und James mitnehmen“, fahre ich fort. „Aber sie hatten zu viel Angst. Also ist sie allein gegangen. Die ganze Nacht. Irgendwann war sie wohl völlig erschöpft. Sie hat auf einer Wiese geschlafen. Am Morgen war sie nass vom Tau.“

Ich sehe kurz aus dem Fenster.

„Dann kam sie an ein Haus“, sage ich. „Essen stand draußen. Jemand hatte frisch gebackenes Brot zum Abkühlen hingestellt. Sie wollte nur etwas mitnehmen. Und plötzlich stand Ireen Stiller hinter ihr.“

Thomas’ Blick bleibt ruhig.

„Sie hat nicht geschimpft“, sage ich. „Hat nur gefragt, woher sie kommt. Und Alma hat ihr alles erzählt. Den Bauern. Den Hof. Die Kinder.“

Ich schlucke.

„Und Ireen hat gesagt, sie müsse sich ab jetzt keine Sorgen mehr machen. Sie kümmere sich um alles.“

Thomas atmet langsam aus.

„Das passt ja“, sagt er leise.

Ich sehe ihn an.

„Was meinst du?“

Er greift nach der Gabel, nimmt einen Bissen von den Nudeln, kaut langsam.

„Sag mal, wann genau ist Alma von dem Bauernhof geflohen?“, fragt er schließlich.

„Ganz genau weiß ich es nicht“ sage ich. „Aber es muss so… im Mai gewesen sein. Mai dreiundvierzig. “ Ich runzle die Stirn. „Warum fragst du?“

Er legt die Gabel ab, schaut mich mit seinen blauen Augen an.

„Ich glaube“, sagt er ruhig, „jetzt wird es spannend.“

Mir zieht es den Magen zusammen.

„Am dritten Juni 1943“, fährt er fort, „gab es hier in Brackenfold einen Mordfall.“

Ich halte inne.

„Es gab damals nur einen einzigen größeren Bauernhof in der Nähe“, sagt er.

„Die Hawthorne Farm. Der Bauer hieß William Hawthorne.“

Mir wird kalt. Nicht schlagartig. Eher so, als würde etwas in mir langsam gefrieren.

„Man fand ihn morgens bei den Kühen“, sagt Thomas.

Eine Pause.

„Erschlagen. Wahrscheinlich mit einer Axt. Oder etwas Ähnlichem. Die Tatwaffe wurde nie gefunden.“

Ich greife nach meinem Glas, trinke einen Schluck, obwohl ich keinen Durst habe.

„Was man aber gefunden hat“, sagt Thomas weiter, „war Abwesenheit.“

Er hebt den Blick.

„Zwei junge deutsche Kriegsgefangene, die ihm erst einem Tag zuvor, zur Arbeit zugeteilt waren, waren plötzlich verschwunden.“

Ich schlucke.

„Meinst du … sie haben ihn erschlagen?“

Thomas zuckt mit den Schultern.

„Das war die Vermutung.“

Ich atme langsam aus.

„Oder …“

Ich sage den Gedanken nicht zu Ende.

„Oder jemand anderes“, sagt Thomas ruhig.

Ich sehe ihn an.

„Ireen.“

Er hält meinem Blick stand.

„Wer weiß das schon.“

Die Geräusche der Pizzeria kehren zurück. Besteck, Stimmen, Leben.

Er schiebt mir ein Foto zu.

„Und jetzt“, sagt er leise, „sag mir, was du siehst.“

Ich brauche einen Moment.

Das Haus.

Die Fenster.

Der Eingang.

„Das ist …“, flüstere ich. „Das ist Brackenfold Care House. “

Chương này như thế nào?

Đăng nhập để viết bài đánh giá.

Ch 11Ch 13