Chương 3: Alma – Aelyr

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Ich sitze auf einer Bank vor dem Haus.

Die Hände im Schoß. Der Blick auf die Veranda, auf die Blumen am Weg, auf das Licht, das überall liegt.

Vielleicht habe ich dort schon lange gesessen. Vielleicht erst seit einem Augenblick.

In Aelyr vergeht Zeit nicht. Sie legt sich nur anders um die Dinge.

Wie Licht. Es ist überall.

Es ruht auf den Formen, als hätte es sie ausgesucht.

Auf den weißen Stufen vor dem Haus. Auf den Rosen am Zaun. Auf meinen Händen.

Ich weiß nicht mehr, wann ich aufgehört habe, auf den Weg zu sehen.

Irgendwann stehe ich auf.

Nicht weil ich muss, sondern weil es der richtige Moment ist.

Die Haustür steht einen Spalt offen.

Als hätte jemand gewusst, dass ich komme.

Drinnen ist es still.

Vor mir liegt eine Küche.

Sie ist klein und warm. Vor dem Fenster steht ein alter Holztisch. Der Vorhang mit den verblassten Blumen bewegt sich leicht im Luftzug. Auf dem Herd steht ein Topf. Der Duft von Äpfeln, Zimt und frisch gebackenem Brot erfüllt den Raum.

Neben dem Herd wartet eine Teekanne. Zwei Tassen stehen auf dem Tisch. Über einem Korb liegt ein blau kariertes Tuch. Daneben liegen Birnen, wie frisch gepflückt.

Ich bleibe in der Tür stehen und sehe mich um.

Der Raum wirkt vertraut. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht weil alles hier seinen Platz hat. Vielleicht weil nichts fremd wirkt. Das Licht fällt durch das Fenster und liegt auf dem Tisch, auf den Tassen, auf dem Holzfußboden.

Für einen Moment habe ich das Gefühl, dass jeden Augenblick jemand hereinkommen wird.

Eira vielleicht.

Mit ihrem leisen Schritt und diesem Blick, der schon alles weiß.

Da bist du ja endlich, wird sie sagen.

Und plötzlich weiß ich, dass ich genau hier sein soll.

Meine Füße berühren den Boden. Ich fühle keinen Schmerze und kein Ziehen. Mein Körper ist mir nicht mehr im Weg.

Ich gehe wieder nach draußen, zurück in den warmen Sonnenschein.

Das Haus hinter mir atmet langsam. Holz und Stein, als hätten sie ein Gedächtnis.

Der Weg davor ist schmal, von Gras gesäumt, das bis an die Kanten wächst, ohne sie zu überwuchern.

Kleine Blüten öffnen sich, nicht extra für mich, einfach nur, weil ihre Zeit gekommen ist

Libellen stehen reglos in der Luft.

Haben sie in Aelyr vergessen, dass Flügel Bewegung bedeutet.

Ich weiß, dass ich nicht hier bin, um zu bleiben.

Eira tritt aus dem Schatten des Hauses. Vielleicht stand sie dort schon die ganze Zeit.

Ich hörte weder ihre Schritte noch ein Geräusch.

Plötzlich ist sie einfach da. Ihre Anwesenheit erfüllt den Raum zwischen uns.

„Eira“, sage ich leise.

„Du bist wach“, sagt sie.

Ihre Stimme ist ruhig und freundlich.

„Ich suche jemanden“, sage ich. „Mein Kind. Rose“

Eira sieht mich an.

„Manche finden diesen Ort, bevor sie wissen, dass sie suchen.“

Ich gehe ein Stück., Eira begleitet mich. Der Weg senkt sich leicht. Rechts davon fließt etwas, das aussieht wie Wasser, sich bewegt, wie Wasser und doch keinen Laut macht. Ich höre es nicht. Aber ich weiß, dass es da ist.

„Sie ist nicht hier“, sage ich.

Es ist keine Frage.

„Nein“, sagt Eira. „Noch nicht.“

Wir kommen an einer Wiese vorbei.

Menschen sind dort. Manche sitzen im Gras, manche stehen, manche gehen langsam, als hätten sie Zeit gelernt. Einige sprechen leise. Andere gar nicht. Manche blicken suchend umher. Andere wirken, als hätten sie längst gefunden, was sie brauchten.

Ein Mann hält ein Kind an der Hand.

Das Kind ist still, seine Augen sind alt.

„Sie suchen auch“, sage ich.

Eira bleibt einen Moment stehen.

„Oder sie erinnern sich“, sagt sie.

„Woran?“ frage ich.

„An das, was sie nie ganz losgelassen haben.“

Die Luft bleibt warm, und doch läuft mir ein Frösteln über den Rücken.

„Ich will sie finden“, sage ich.

„Bevor sie aufhört, nach mir zu suchen.“

Eira hebt den Kopf.

Als hätte sie etwas gehört, das mir verborgen bleibt.

„Dann musst du gehen“, sagt sie.

„Wohin?“ frage ich.

Sie zeigt auf den Weg vor uns. Er wird schmaler. Heller. Fast durchsichtig. Als bestünde er mehr aus Erinnerung als aus Boden.

„Dorthin, wo sie dich spürt“, sagt sie.

„Nicht sieht. Spürt.“

Ich nicke.

Ich weiß nicht, woher ich es weiß, aber ich weiß:

Das wird nicht leicht sein.

Und nicht schnell.

Ich gehe los.

Hinter mir höre ich Eiras Stimme ein letztes Mal.

„Alma.“

Ich drehe mich um.

„Du wirst sie nicht festhalten können“, sagt sie.

„Nur finden.“

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