Chương 3: Lina- Ich bin die Neue

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Die Tür fällt leise hinter mir ins Schloss. Für einen Moment ist alles stiller als vorher. Dann drehen sich Köpfe. Viele. Manche schnell, manche nur halb interessiert. Ein paar Mädchen tuscheln. Jemand lacht.

Ich halte meine Bücher an mich gedrückt. Wo soll ich mich hinsetzen? Es ist nur einen Augenblick lang still, bevor die Klasse wieder zu leben beginnt.

Eine Bewegung löst sich aus der dritten Reihe. Ein Mädchen mit dunkler Haut, schwarzen Haaren, zu Zöpfen geflochten und großen, wachen Augen kommt auf mich zu. Ihr Gang ist selbstbewusst, aber warm.

„Ich bin Sharon“, sagt sie und strahlt mich an. „Klassensprecherin. Du musst die Neue sind. Ich bin für die nächsten zwei Wochen dein Buddy. Setz dich neben mich, ich erklär dir alles.“

„Ich bin Lina.“ Ich folge ihr den Gang entlang zu einem Fensterplatz.

„Ja, ich weiß Lina O‘Gommery. Mrs Sharefield unsere Klassenlehrerin hat mich schon gebrieft. Du kommst ursprünglich aus Irland. Deine Mutter ist ein bekanntes Tier in der Finanzbranche, und ihr seid erst vor ein paar Tagen aus Com… so ein Kaff halt in Irland ins schöne laute New York gezogen“. Ich betrachte Sharon, während sie das Fenster schließt. Sie ist schön und an der Art wie sie sich bewegt, erkennt man, sie weiß das.

„O wow! Du weißt ja wirklich eine ganze Menge schon über mich.“ Ich lege meine Bücher auf das Schulpult und schaue zur Tür. Die Klasse füllt sich mehr und mehr, nur die Lehrerin scheint noch nicht da zu sein. „Der Ort in Irland heißt im übrigen Connemara.“ Sie schaut mich intensiver an und grinst. „Du bist die erste Irin die ich kennenlerne. Ich habe mir euch immer anders vorgestellt. So rote Haare und überall Sommersprossen.“ Sie lacht. „Und alle haben Elfen oder einen Zwerg auf der Schulter, oder so.“ Ich lache zurück, wenn du wüsstest. „Fehlen nur noch die grünen Wiesen und die Schafe, was?“ Ich lache? Ja! Ich lache, nicht gespielt, nicht geheuchelt, wie sonst, das war echt. Ich horche in mich hinein. Aber da ist nur das vertraute nichts. Nein! Halt, da ist doch was, ich spüre so eine Art Brennen in meinem Rücken, etwas sucht seinen Weg zu mir.

Sharon sieht mich besorgt an. „Alles gut bei dir?“

„Ja klar, alles ok. Sehr laut hier in New York, ich muss mich erst daran gewöhnen. Bei uns in Connemara konntest du die Gänseblümchen streiten hören.“ Ich drehe mich um. An einem der hinteren Pulte sehe ich einen dunkelhaarigen Jungen, der mich anstarrt, als sei ich ein Mondkalb. Gott, sieht der gut aus! Als sich unsere Blicke treffen, dreht er sich hastig zu dem Sitznachbar um Sharon stupst mich an. „Hey, du hast Humor, super. Willkommen in unserer Klasse. In der Mensa stelle ich dich den anderen Mädels vor.“

Ich frage sie leise: „Wer ist der Junge, der so… starrt?“

Sharon sieht über die Schulter.

Mein Blick folgt dem ihren. Der Junge mit den Wahnsinnsaugen schaut wieder zu mir. Sein Blick ist rätselhaft. Ich dachte immer, ich kenne alle Blicke der Jungs, von: dich würde gerne… über: zieh dich aus… oder: ich trau mich nicht… bis zu: du bist nicht mein Typ, habe ich schon so ziemlich alles gesehen. Aber diesen Blick kenne ich nicht. Er sieht mich an, als suche er in mir eine Antwort, von der er nicht weiß, wie die Frage lautet.

Sharon grinst. „Das ist Noah. Hinter dem sind alle Mädchen her. Naja… fast alle. Ich steh mehr so… auf sowas wie dich. Der Frosch neben ihm ist übrigens Mike, Noahs bester Kumpel, bisschen aufdringlich, aber ansonsten ok. Ist ein Guter.“ Sie stupst mich frech grinsend an, etwas an meinem Blick bringt sie scheinbar zum Lachen. „Keine Sorge, ich mach dich nicht an, ich bin schon glücklich vergeben.“ Ich lache zurück. Meine Standardlache. Im Laufe meiner 17 jährigen Lebenskarriere habe ich gelernt, wann ich lachen oder traurig gucken muss, nur das mit dem spontanen Weinen hab ich noch nicht hinbekommen. „Na dann kann ich ja ruhigen Gewissens sitzen bleiben.“ Ich bin froh, so positiv in der Klasse angekommen zu sein. Ich setze mich neben sie und lege meine Bücher zurecht. Sharon lehnt sich etwas näher an mich heran. Ich rieche ihr Parfum Libre, dezent, nicht zu aufdringlich. „Du bist es sicher gewohnt, angeschaut zu werden.“ Sie zwinkert mir zu. Ich atme aus und schiebe mein Haar zur Seite, so dass es nur über eine Schulter fällt. „Schon. Aber doch nicht so unverhohlen.“ Ich drehe mich erneut um zu Noah, genau im richtigen Moment. Mike stupst Noah an und sagt „Alter, du glotzt ja richtig, das ist peinlich.“ Da ist es wieder. Diese fremde Etwas, das ganz tief in mir vibriert. Ich schaue Noah an und für einen Moment halten wir unseren Blick. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, ich bekomme keine Luft mehr. Schnell drehe ich mich zurück und bin dankbar das Mrs. Sharefield mit einem weiteren Mädchen den Raum betritt. Sharon, die meinem Blick gefolgt war, dreht sich langsam zu mir zurück. Ihre Augen sind groß. Und mit einem Mal ist ihr Blick ernst

„Oh oh“, murmelt sie. „Ich glaube… du stehst auf seiner To-Do-Liste. Und das wird Madleen gar nicht gefallen.“ Ich hebe die Augenbrauen. „Wer ist Madleen?“

Sharon blickt sich um, sucht jemanden und zuckt dann die Schultern.

„Sie ist wohl noch nicht da. Aber glaub mir, du wirst sie kennenlernen. Sie… nimmt sich, was sie will.“

Ich ordne meine Bücher, während ich ihre Worte aufnehme. Ich warte darauf, dass diese Ruhe in mir, dieses Nichts wieder seinen Raum einnimmt. „Und was meinst du… will dieser Noah?“ frage ich leise. Zu wissen wo man dran ist, ist für Wesen wie ich es bin, sehr wichtig.

Sharon schnaubt lachend, als hätte ich einen witzigen, aber gefährlichen Satz gesagt.

„Alles. Oder nichts. Bei ihm weiß man nie. Aber eins kann ich dir sagen… der Junge guckt nicht oft so. Eigentlich… ich kann mich an so einen Blick überhaupt nicht erinnern.“

Ich blicke nach vorne. Mrs. Sharefield eine Lehrerin mit kurzen grauen Haaren, einem gutmütigen Gesicht und sportlich gekleidet, ist um das Lehrerpult getreten und schaut in die Klassenrunde. Ich versuche mich auf ihre Worte zu konzentrieren. Dieser Noah…. Freund oder Feind? Wer bist du?

Die Stille kehrt nur langsam in mich zurück. Doch sie schmeckt anders als vorher, als hätte jemand darin einen Faden Licht gespannt, und ich spüre, dass er sich zu mir hinbewegt. Zwar langsam ´, aber unaufhaltsam.

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