제13화: Alma – Die Tür

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Der Bach liegt links von mir, schmal und klar, er begleitet uns, als gehöre er zu uns. Sein Wasser gleitet über helle Steine, trägt Blüten mit sich, die irgendwo aus den Bäumen gefallen sein müssen.

Vor uns spazieren Paare.

Verliebte junge Menschen, die sich ganz nah beieinander halten. Einer beugt sich vor, flüstert etwas ins Ohr des anderen, beide lachen. Hände finden sich, lösen sich, finden sich wieder.

Eine Mutter schiebt einen Kinderwagen über den schmalen Weg. Sie bleibt stehen, beugt sich hinunter, zwinkert dem Baby zu, zieht eine Grimasse, macht ein unsinniges Geräusch. Das Baby gluckst vor Vergnügen. Die Mutter lacht leise, als wäre genau dies das Schönste auf der Welt.

Ich bleibe einen Moment stehen und sehe ihnen nach.

Lirien sitzt auf meiner Schulter.

Ihre kleinen, feinen Hände spielen mit einer Haarsträhne von mir, drehen sie ein, lassen sie wieder los. Es kitzelt, und ich muss lachen.

Eira geht neben mir. Ruhig. Selbstverständlich.

Ihr Schritt passt sich meinem an, als hätten wir das schon immer so gemacht.

„Das Fest war schön“, sage ich. „Sehr schön.“

„Das Brautpaar war glücklich“, sagt Eira.

„So glücklich, dass man sich drin sonnen konnte.“

„Und die Musik“, sage ich. „Ich glaube, sie ist mir bis in die Knochen gegangen.“

Lirien nickt eifrig.

„Ich habe getanzt“, sie stößt sich von meiner Schulter ab, fliegt vor mich und dreht eine Pirouette in der Luft. Ihre Flügel schimmern, als hätte die Musik sie noch nicht losgelassen. „Die halbe Nacht.“

Ich kichere.

„Das habe ich gesehen.“

Wir gehen weiter. Das Licht schimmert auf dem Wasser, der Bach wird ein wenig breiter.

„Habt ihr ihn gesehen?“, frage ich dann, scheinbar beiläufig.

Lirien zieht sanft an meiner Haarsträhne.

„Wen von den vielen?“

„Den jungen Mann“, sage ich. „Den hübschen. Mit der dunkelblauen Strickjacke.“

Eira lächelt. Dieses ruhige, wissende Lächeln, das nichts erklärt und alles versteht.

„Er hat sich neben mich gesetzt“, sage ich. „Ganz selbstverständlich.“

„Natürlich“, sagt Lirien.

„Und dann“, fahre ich fort, „hat er meine Hand genommen. Nur für einen Moment.“

Ich halte meine Hand hoch.

„Sie war warm.“

Eira nickt.

„Das hast du genossen.“

„Sehr“, sage ich.

Am Rand der Wiese stehen Bäume. Kahl, grau, wie aus einer anderen Zeit. Feen tanzen um sie herum, berühren die Rinde mit schmalen Zauberstäben. Wo Holz war, brechen Blüten auf. Kirschblüten, zartrosa und weiß. Die Bäume blühen, als hätten sie nur darauf gewartet.

Der Bach spiegelt die Blüten.

Alles ist leicht.

Alles ist in Bewegung.

Ich bleibe stehen.

„Eira?“, sage ich langsam. „War die eben schon da?“

Sie folgt meinem Blick.

Mitten auf der Wiese steht eine Tür.

Kein Haus.

Keine Mauer.

Kein Weg, der zu ihr führt.

Nur eine alte Haustür in einem schweren Rahmen.

Dunkles Holz, vom Wetter gezeichnet, uneben, voller feiner Risse. Oben ein eingelassenes Glasfeld, milchig und blind vor Alter, von zarten Schnörkeln eingefasst. Der Metallgriff ist angelaufen, stumpf, als wäre er einst oft berührt worden und nun lange nicht mehr.

Eine Tür, durch die man nicht in ein Zimmer tritt.

Eine Tür, durch die man einmal gegangen ist.

Etwas an ihr ist mir vertraut.

Nicht so, dass ich es benennen könnte.

Eher so, wie man einen Geruch kennt, ohne zu wissen, woher.

Ich bin sicher, dass sie eben noch nicht dort war.

Ich gehe ein paar Schritte näher. Die Tür wirft einen klaren Schatten ins Gras. Sonst nichts. Kein Geräusch. Kein Zeichen.

„Das ist merkwürdig“, sage ich.

Lirien rutscht von meiner Schulter, flattert ein Stück voraus.

„Das mag ich nicht“, sagt sie leise.

„Vielleicht ist Rose dahinter“, sage ich.

Eira schüttelt langsam den Kopf.

„Nicht jede Tür muss geöffnet werden.“

Ich gehe um sie herum.

Überall Sonne.

Überall Wiese.

„Was soll schon sein?“, sage ich und lege die Hand an den Griff.

Die Tür klemmt.

Lirien setzt sich auf einen Ast eines frisch erblühten Kirschbaums. Sie dreht den Kopf weg.

„Ich kann nicht hingucken“, sagt sie und betrachtet eine einzelne Blüte, als wäre sie plötzlich das Wichtigste auf der Welt.

Ich drücke die Klinke nochmal die Tür gibt nach.

Ich stehe noch immer in der Sonne.

Noch immer auf der Wiese.

Aber hinter der Tür ist es dunkel.

Nicht schattig.

Dunkel.

Eine Treppe führt hinab. Stufe um Stufe, verschluckt vom Schwarz. Ein muffiger Geruch steigt herauf. Alt. Feucht. Als hätte dort lange niemand geatmet.

Eira tritt neben mich.

„Wenn du da hinuntergehst“, sagt sie sanft, „werden wir uns nie wieder sehen.“

Lirien ruft vom Baum herüber, ohne mich anzusehen: „Glaubst du wirklich, Rose dort unten zu finden?“

Der Wind bewegt das Gras.

Eine Blüte löst sich und fällt mir auf die Schulter.

Ich schließe die Tür.

Wir gehen weiter.

Der Bach fließt.

Der Weg auch.

Eira bleibt stehen. Dreht sich noch einmal um.

Ich folge ihrem Blick.

Dort, wo eben noch die Tür gestanden hat, sitzt jetzt ein verliebtes Pärchen im Gras.

Sie lehnt den Kopf an seine Schulter.

Er streicht ihr mit dem Daumen über den Handrücken.

Sie lachen leise, als gehörte ihnen dieser Nachmittag.

„Manche Geheimnisse“, murmelt Eira, „wollen nicht, dass man sie findet.“

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