Глава 1: Lina - Erwachen

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Ich glaubte nicht an Zeichen, nicht an Schicksal bis jetzt. Vor einer Stunde hat sich alles geändert und ich weiß, ich kann nie wieder zurück in mein altes Leben, in den geborgenen Schoss der Menschheit.

Nicht dass ich nicht gewusst hätte, dass es die magischen Stämme gibt, welche die Träger des Universums sind oder dass meine Mutter Elowen eine wichtige Rolle spielt in dem ganzen System. Nach außen, eine erfolgsverwöhnte reiche Finanzmaklerin und im Geheimen die Hohepriesterin des Stammes Eirelan.

Nicht zu vergessen mein älterer Bruder Caelan, Großmeister der Eirelans, lebt mit einem Teil des Stammes in Connemara Irland. All das weiß ich ja, aber es hat mich nie wirklich berührt.

Ich sehe auf die vielen geöffneten und teils noch zugeklebten Kartons und eigentlich sollte es mich bedrücken, aber es ist wie immer, ich fühle nichts, fast nichts. Und genau dieses ‚fast‘ ist das, was mich so stutzig macht. Mein Vater war ein ganz normaler Zahnarzt. Er wusste von den magischen Fähigkeiten seiner Frau, meiner Mutter. Aber wenn ich mit ihm darüber sprechen wollte, bekam ich immer nur zu hören: _„Das einzig magische an deiner Mutter ist sie selbst und unsere Liebe.“_Er wiederholte diesen Satz immer und immer wieder, bis wir ihn vor drei Wochen beerdigt haben. Der Krebs hatte am Ende gesiegt. Er war ein wundervoller Mensch und ich war die einzige Person, die auf der Beerdigung keine Miene verzog, einfach weil ich nichts fühl

Ich seufze.

Jetzt ist es fast Mitternacht und ich sollte längst schlafen. Stattdessen starre ich nun seit Minuten ununterbrochen auf mein Tagebuch, welches beim Öffnen plötzlich einen blauen glitzernden Nebel bekam. Und zum ersten Mal spürte ich etwas. War es Überraschung, Aufregung oder sogar Angst? Was immer es ist, es steigt etwas Unbekanntes in mir hoch, ein Gefühl.

Irgendwo vor meiner Zimmertür höre ich immer noch meine Mutter mit Caelan telefonieren.

„Mama!“ Mein wiederholter Ruf nach der Frau, die mich einst geboren hat, wird lauter.

Meine Mutter öffnet die Tür, tritt einen Schritt in mein Zimmer und im selben Moment fällt ihr Blick auf das Tagebuch in meinem Schoß.

Das Leuchten ist immer noch da.

Nicht mehr so stark wie vorher, aber deutlich genug, dass es den Raum mit einem schimmernden Hauch erfüllt. Ein zarter blauer Schleier liegt über den Seiten, als würde das Buch atmen. Goldene Funken steigen daraus auf, schweben kurz und vergehen wieder.

Sie bleibt abrupt stehen.

Ihre Pupillen weiten sich.

Für einen Augenblick sieht sie nicht aus wie die elegante, Frau in dem cremefarbenen Kostüm, den blonden hochgesteckten Haaren und dem makellosen Teint, die in der Finanzwelt zu Hause ist, die nichts erschüttern kann. Sie sieht aus wie jemand, der ein uraltes Zeichen erkennt. Eines, dass sie gefürchtet hat.

Sie atmet ein, scharf und viel zu schnell. Ihre Hand fährt an ihre Brust, als müsste sie prüfen, ob sie noch genug Luft bekommt.

„Oh mein Gott,“ flüstert sie „Das darf doch nicht wahr sein“ haucht sie.

Ich starre sie an. „Mama? Was bedeutet das?“

Sie antwortet nicht sofort. Sie kommt langsam näher, setzt sich vorsichtig neben mich und hält ihre Hand knapp über das Tagebuch, ohne es zu berühren. Die blauen Partikel ziehen sich zurück, als würden sie sie erkennen.

„Unmöglich,“ murmelt sie. „Wie konnte das passieren? Ich habe doch alle Vorkehrungen getroffen…“

Ihre Stimme klingt brüchig. Meine Mutter zeigt niemals Schwäche. Doch jetzt tut sie es.

Sollte ich Angst haben? „Mama, bitte sag es mir. Was ist das?“

Aber sie sagt nichts mehr. Ihr Blick bleibt auf dem Leuchten, das nun wieder stärker wird, als würde etwas darin aufwachen. Blauer Nebel quillt erneut zwischen den Seiten hervor, dichter, lebendiger, fast neugierig. Der Raum scheint zu vibrieren, ganz leicht, wie ein Atemzug, der nicht von mir stammt.

Mama zieht langsam ihre Hand zurück, als hätte sie Angst, das Falsche zu berühren. Ich sehe, dass sie etwas weiß. Etwas, das sie mir nicht sagen will.

Der Nebel bewegt sich, ein sanftes Pulsieren, das die Luft verändert. Ich halte unwillkürlich den Atem an.

Sie greift hastig nach dem iPhone, dass sie auf dem Nachttisch abgelegt hat. Caelans Stimme ist noch immer zu hören, gedämpft und angespannt, als hätte er längst gespürt, dass etwas passiert ist. „Máthair?“

Ja, etwas bricht gerade auf. Caelan nennt unsere Mutter nur Máthair, dem alten gälischen Ausdruck für Mutter, wenn etwas dramatisches passiert, so wie vor drei Jahren, als wir von der Leukämie unseres Vaters erfuhren, sonst nennt er sie immer Elowen, bei ihrem Vornamen.

„Bist du noch da? Was ist los?“ höre ich ihn rufen.

Meine Mutter sieht mich an und ich glaube für einen kurzen Moment, Angst in ihren Augen zu erkennen.

Dann hebt sie das Telefon an ihr Ohr.

„Caelan,“ sagt sie leise, aber mit einem Tonfall, den ich nie zuvor gehört habe. „Ich glaube, es wäre besser, du kommst zu uns nach New York.“

Und während der blaue Nebel sich langsam zurückzieht, spüre ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Druckgefühl in mir. Ist das, was alle Angst nennen?

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Гл 2