باب 1: 1

یہ باب ابھی Urdu میں دستیاب نہیں ہے۔ سائن ان کریں، اسے ترجمہ کریں اور سب کے لیے آزاد کریں۔

Der Wind kam direkt von der Nordsee und roch nach Salz, Tang und warmem Holz. Über dem Deich kreischten Möwen, als würden sie sich gegenseitig beleidigen.

Anke saß im geblümten Bademantel auf der alten Holzbank vor ihrem kleinen Haus und hielt beide Hände um ihre Kaffeetasse. Ihre weißen Haare hatte sie im Nacken zu einem lockeren Zopf gebunden. Die rote Brille war ihr ein Stück die Nase hinuntergerutscht.

Vom Kiesweg her näherte sich Holger Grünwald.

Der Bio-Metzger trug seine weiße Gummischürze und denselben Gesichtsausdruck, mit dem andere Menschen Steuererklärungen erledigten.

„Moin“, sagte er.

„Moin.“

Holger nickte Richtung Garten. „Ich hol mir eben die Eier.“

Anke hob nur kurz die Hand. „Weißt ja, wo sie sind.“

Holger verschwand hinter dem Haus Richtung Stall. Der warme Sommerwind ließ irgendwo eine lose Dachrinne klappern. Hinterm Deich tuckerte dumpf ein Fischkutter übers Wasser.

Anke schloss für einen Moment die Augen und lauschte den Möwen und dem gleichmäßigen Knattern des Kutters. Genau solche Augenblicke liebte sie an Lüttmoorsiel. Aus den Augenwinkeln sah sie die alte Kruse kommen, deren Mutter offenbar einmal eine Vorliebe für berühmte Puppen gehabt hatte und ihr ausgerechnet den Vornamen Käthe verpasst hatte. Vom Puppenmachen verstand Käthe allerdings ungefähr so viel wie Kühe vom Sockenstricken. Zu ihrer schwarzen Leggings, die ihren dünnen Beine mehr betonten als nötig, trug sie ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift ‚Sylt ist auch nur eine Insel‘.

An den Füßen wie immer, ihre Gesundheitslatschen, welche bereits das Licht der Welt erblickt hatten, als sie noch Dorfärztin war.

Dr. Kruse war seit über 20 Jahren in Rente und behandelte heute hauptsächlich Gerüchte.

„Moin, Anke“, rief sie.

„Moin.“

Sie blieb natürlich stehen. Sie blieb immer stehen. Wahrscheinlich hätte sie selbst bei einem Wohnungsbrand erst gefragt, wer bei offenem Fenster schlafe.

Anke nahm einen Schluck Kaffee und verzog das Gesicht. Kalt.

Holger kam mit gerunzelter Stirn und dem Eierkarton in der Hand um die Ecke.

„Ich wollt schon nachsehen, ob du tot zwischen meinen Hühnern liegst“, sagte Anke.

Holger hob den Karton leicht an. „Das sind nur vier.“

„Vier was?“

„Vier Eier, keine fünf.“

„Nur vier?“ Die alte Kruse zog hörbar die Luft ein.

„Unsinn“, sagte Anke sofort. „Eins wird irgendwo liegen.“

Vom Nachbargrundstück näherte sich Petersen mit seinem Dackel Taranis, der uralte keltische Donnergott, gefangen im Körper eines schlecht gelaunten dunklen Rauhaardackels mit kurzen Beinen.

„Was’n los?“

„Es fehlt ein Ei“, sagte Käthe Kruse mit der feierlichen Stimme einer Nachrichtensprecherin kurz vor Kriegsausbruch.

Petersen blieb am Zaun neben Käthe und Holger stehen. „Keine fünf, nur vier?“

Holger hob leicht genervt den Karton an. „Ja. Vier.“

Petersen sah erst auf die Eier. Dann auf Anke. Dann wieder auf die Eier, dann auf Holger.

„Gib mir zwei!“

„Dann nehm ich die anderen beiden“, sagte Käthe sofort.

Holger blinzelte überrascht. „Leute, ich hab noch Ei…“

Mitten im Satz veränderte sich sein Gesichtsausdruck, ganz leicht nur.

„Ein Ei, eins achtzig.“

„Was?“ Petersen starrte ihn an. „Gestern hat ein Ei noch eins zwanzig gekostet.“

Holger zuckte mit den Schultern. „Angebot und Nachfrage. Ich muss ja auch gucken, wo ich bleibe.“

Anke stellte ihre Tasse langsam auf den verwitterten Holztisch. „Wie bitte?“

Holger sah sie an.

„Du nimmst eins zwanzig und jetzt eins achtzig und ich krieg von dir immer nur fünfzig Cent pro Ei?“

„Bevor ich es vergesse.“ Holger legte grinsend zwei Euro in die Blechtasse, auf der ‚Eierbecher‘ stand, neben der Tür.

Anke sah hinein.

„Da fehlen noch achtzig Cent.“

„Wie bitte? Es waren nur vier. Bei fünf wärs fünfzig Cent mehr. “

Anke blickte ihn erbarmungslos an. „Du hast selbst gesagt: Angebot und Nachfrage.“

Brummelnd ließ Holger in die Blechdose weitere acht zehn Cent Stücke fallen.

Es schepperte, ein Geräusch, das ihr gefiel, sie grinste zufrieden. Anke stellte die leere Kaffeetasse auf die Bank und erhob sich mit einem leisen Ächzen, das sie inzwischen grundsätzlich ignorierte. Der warme Wind spielte mit den Enden ihres Bademantels, während hinterm Deich wieder dumpf ein Schiffshorn erklang.

„Ich schau jetzt selbst nach.“

Sofort setzten sich die anderen in Bewegung.

„Ich komm mit“, sagte Käthe Kruse.

„Ich auch“, meinte Petersen.

Selbst Holger machte einen halben Schritt Richtung Garten.

„Ihr bleibt schön hier.“ Anke hob die Hand. „Kein Wunder, wenn die Hühner keine Eier mehr legen bei der Unruhe.“

„Vielleicht ist eins krank“, murmelte Käthe bedeutungsvoll.

Anke schnaubte. „Ja genau. Fehlt nur noch, dass Tierarzt Wepper hier auftaucht.“

Käthe Kruses Augen begannen sofort zu glänzen. „Das ist eigentlich eine hervorragende Idee.“

Noch während sie sprach, setzte sie sich in Bewegung, in Richtung Straße.

„Das zeigt, wie verantwortungsvoll du bist“, rief sie Anke über die Schulter zu.

„Pass du lieber auf deine Eier auf“, gab diese zurück. „Die waren teuer.“

Holger schwenkte den leeren Eierkarton ratlos in der Hand hin und her, als hätte er vergessen, wofür solche Dinger gedacht waren. Schließlich stellte er ihn neben Ankes Kaffeetasse auf den kleinen Tisch.

„Ja … dann… geh ich mal wieder.“

Anke nickte. „Wenn ich das Ei finde, bring ich’s dir höchstpersönlich vorbei.“

Sie stapfte über den schmalen Kiesweg quer durch den Garten zum Stall hinüber.

Der warme Sommerwind bewegte das hohe Gras hinter dem Hühnergehege wie kleine Wellen.

Von irgendwoher roch es nach frisch gemähtem Rasen und gebratenen Zwiebeln. Herbert stand bereits vor der Stalltür. Der schwarze Gockel beobachtete sie mit der angespannten Aufmerksamkeit eines Türstehers kurz vor Feierabend.

„Mach ja keinen Unsinn“, murmelte Anke, während sie nach dem Türgriff griff.

Kaum öffnete sie die knarrende Holztür, schoss Herbert empört nach vorn und hackte wütend gegen ihren Pantoffel, als wolle er ihr klar machen, wem dieser Stall tatsächlich gehörte.

„Nu hör aber auf, du testosterongesteuerter Staubwedel.“

Herbert flatterte beleidigt mit den Flügeln und krähte so laut, als wolle er persönlich den Sommer eröffnen. Dahinter liefen fünf weiße Hühner durchs Gehege und pickten friedlich im Sand, als wäre alles wie immer.

Der vertraute Geruch aus warmem Stroh, Körnern und Hühnerdreck schlug Anke entgegen. Durch die schmalen Holzritzen fiel Sonnenlicht ins Halbdunkel und zog goldene Streifen über den Boden. Die fünf leeren Nester lagen ordentlich nebeneinander. Daneben nichts. Kein fünftes Ei.

„Das gibt’s doch nicht.“

Sie sah hinter den Futtersack. Unter die kleine Holzbank. Zwischen alte Eimer und leere Säcke. Selbst in Herberts zEcke, wo sie vor zwei Jahren einmal einen toten Hering gefunden hatte. Kein Ei.

Hinter ihr begann eines der Hühner laut zu gackern.

Anke stemmte die Hände in die Hüften und sah die Tiere der Reihe nach an.

„Roswitha?“

Roswitha pickte weiter im Stroh.

„Bärbel?“

Keine Reaktion.

„Erna?“

Ein empörtes Gackern.

„Gertrud?“

Gertrud kratzte seelenruhig im Sand.

„Sissi?“

Sissi scharrte konzentriert neben der Wasserstelle im Boden herum und zog einen Regenwurm aus der Erde.

Anke seufzte.

„Okay“, sagte sie langsam. „Wer von euch war das?“

یہ باب کیسا لگا؟

سائن ان تبصرہ بھی لکھنے کے لیے۔