الفصل 4: Eliza – Das Haus

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Der Schlüssel passt beim ersten Versuch. Ein kurzes Klicken, dann gibt die Tür nach, als hätte sie nur darauf gewartet.

Drinnen ist es kühl. Die Luft steht, als wäre sie lange nicht bewegt worden. Es riecht nach Staub, nach alten Möbeln, nach einem Haus, das den Atem angehalten hat.

Ich trete ein und ziehe die Tür hinter mir zu. Der Klang hallt durch die Räume.

Mein Handy vibriert.

Mama

Ich gehe ein paar Schritte weiter, bleibe im Flur stehen. Die Garderobe ist noch da. Ein alter Mantel. Hüte. Alles ordentlich. Nichts hastig zurückgelassen.

„Ja?“, sage ich.

„Hast du den Schlüssel?“, fragt Margaret. Ihre Stimme ist sachlich, effizient. Wie immer.

„Ja. Ich bin schon im Haus.“

Eine kurze Pause.

„Gut“, sagt sie dann. „Dann bestell bitte gleich einen Müllcontainer. Das Haus muss entrümpelt werden. Den alten Plunder will doch keiner mehr.“

Das Wort ‚Plunder‘ trifft mich unerwartet hart.

„Moment“, sage ich. „Ich will mir erst alles ansehen.“

„Eliza“, sagt sie, und ich höre das leichte Seufzen, das immer kommt, wenn sie glaubt, erklären zu müssen. „Das meiste ist wertlos. Alt. Staubfänger.“

Ich sehe mich um.

Der Flur. Die Tapete verblasst, aber sauber. Ein kleiner Tisch mit einer Schale, darin getrocknete Blüten.

„Ich entscheide das“, sage ich. „Eben nur nicht heute.“

„Wir haben darüber gesprochen.“

„Nein“, sage ich. „Du hast entschieden.“

Stille am anderen Ende.

„Mach, was du willst“, sagt sie schließlich. „Aber verzettel dich nicht.“

Die Verbindung bricht ab.

Ich stecke das Handy weg.

Das Wohnzimmer liegt im Halbdunkel.

Die Vorhänge sind zugezogen, aber nicht ganz. Staub tanzt im Licht, das durch den Spalt fällt. Auf der Kommode stehen Bilder. Alte Rahmen, schwer, dunkel. Alma und Edward. Beide noch jung,

Er ernst, in Uniform. Sie lächelnd in einem gepunktetem Kleid mit weißem Kragen

Ein weiteres Bild: Meine Großmutter Rose. Jung und gesund.

Und dann ein Foto von meiner Mutter Margaret und mir. Ich bin vielleicht zwei und blinzele gegen die Sohne. Meine Mutter hält mich draußen im Garten fest an der Hand.

Ich streiche mit den Fingern über das Glas.

Im Wohnzimmerschrank liegen Dokumente. Ordentlich abgeheftet.

Sterbeurkunde Edward Whitcombe. Geboren 1919 - Gestorben 2003, zwei Jahre vor meiner Geburt.

Sterbeurkunde Rose Whitcombe. Geboren 1952 – Gestorben 1987

Ich schließe die Augen einen Moment.

Die Küche ist klein. Altmodisch. Porzellan mit feinem Blümchenmuster steht in den Schränken. Alles sauber. Alles an seinem Platz. Der Kühlschrank ist abgestellt. Innen leer, aber gereinigt

Hier wurde nichts aufgegeben, hier wurde abgeschlossen.

Überall sind kleine Figuren. Elfen. Feen. Aus Holz, aus Keramik, aus Stoff. Auf Regalen und auf den Fensterbänken. Sie wirken nicht kitschig. Eher beschützend. Als hätten sie Aufgaben.

Ich gehe die Treppe hinauf. Die Stufen knarren leise. Oben das Schlafzimmer. Das Bett, bestehend aus dunklem Mahagoniholz und zwei Matratzen. Der große Kleiderschrank ebenfalls aus Mahagoni, geschlossen. Auf dem Nachttisch eine kleine goldene Lampe, ein leeres, sauberes Glas. An der Wand eine Mutter Gottes Figur mit dem Jesus Kind auf dem Arm

Ich öffne die Schublade des Nachttisches.

Ein zerfleddertes Tagebuch liegt darin. Der Einband weich vom Anfassen. Darauf ein Zettel. Die Schrift ist zittrig, scheinbar von alter Hand geschrieben, die Buchstaben ungleichmäßig, aber entschlossen.

Ich lese.

Wenn du mich suchst, du findest mich in Aelyr.

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