অধ্যায় 21: Kapitel 20

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Der Wagen stand still am Rand eines Feldes, dessen Ähren sich bereits goldgelb färbten und im Wind wogten. Ein schwarzer Audi etron GT, tiefergelegt und lautlos, wie ein Schatten auf vier Rädern. Die Scheiben getönt, die Oberfläche spiegelglatt. Nur das leise Surren der Klimaanlage war zu hören, kaum mehr als ein Hauch.

Innen roch es nach Leder, frischer Elektronik und teurem Herrenparfum. Lars saß am Steuer. Jeans, Designer-T-Shirt, die Haare akkurat geschnitten, die Augen hinter einer rahmenlosen Sonnenbrille verborgen. Neben ihm sein Kollege Felix. Jünger, schlanker, ein Gesicht wie aus Stein, dunkle Sneaker, eine Uhr, die mehr kostete als ein Monatsgehalt.

Zwischen ihnen das Display. Die Stimme kam kristallklar über die Lautsprecher, weiblich, neutral, bestimmt.

„Standortbericht.“

Lars versuchte ein Gähnen zu unterdrücken. „Subjekt ist im Helios Hanseklinikum. Abgeschirmt. Begleitet durch Marit Nyborg.“

„Zugang?“

Lars schüttelte den Kopf, er hatte keine Lust auf das Telefonat. „Derzeit keine Option. Personal, Video, keine Lücke.“

Felix beugte sich nach vorn, öffnete das Handschuhfach mit einem leisen Klicken. Eine schlanke, schwarze Pistole kam zum Vorschein, eine SIG P226, Suppressor Ready. Er nahm sie wie etwas Kostbares in die Hand, prüfte kurz das Gewinde, dann setzte er den Schalldämpfer mit einem fast zärtlichen Dreh auf. Felix grinste Lars an.

„Lässt sich lösen. Klinikgarten, Rückseite. Kamera dort ist ausgefallen. Zwei Schritte, ein Schuss. Danach verschwinden wir.“

„Verneint.“

In Felix’ Stimme schwang Trotz mit. „Ohne Versicherung wird man sie eh ablehnen, dann kommt sie raus und dann …“

„Man wird sie untersuchen. Das ist bereits veranlasst.“

Lars schaute gelangweilt auf das Gold der Felder. „Und warum das Risiko? Sie gehört nicht hierher. Jede Bewegung erhöht die Sichtbarkeit.“

„Es handelt sich um ein kleines Risiko. Kostenrelevant und überschaubar. Die Klinik trägt die Aufwände, nicht wir. Solange kein operativer Eingriff erfolgt, bleibt alles unter Kontrolle. Wir bekommen neueste Informationen über ihr Gehirn, und im anschließenden Gespräch erfahren wir eventuell etwas über ihre Erinnerung …“

Ein kurzes Rauschen im Lautsprecher, gefolgt von glasklarer Stille.

„… euer Spielraum wurde erweitert. Beweisstücke außerhalb der Zone sind entfernt. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Das Betrugsdezernat ist offiziell involviert, hält sich aber raus, alles gilt als geklärt.“

Lars zog sich teure Lederhandschuhe an. „Vorübergehend.“

„Nein, nicht vorübergehend, sondern endgültig. Trotzdem, eine Eliminierung außerhalb der Struktur würde neue Bewegung erzeugen, Felix, das verstehen auch Sie, oder? Kommt also nicht in Frage. Unsere Kontrolle wäre nicht mehr gewährleistet. Wir lassen alles so wie es ist gerade.“

Felix legte die Waffe zurück. Sorgfältig. Fast liebevoll. Er verschloss das Handschuhfach.

„Es gibt immer Mittel. Sie ist nur ein Mensch.“

„Wie man es nimmt. Es muss einen anderen Weg geben.“

Lars öffnete das Seitenfenster, frische Meeresbrise suchte sich einen Weg in das Wageninnere.

„Was ist mit morgen?“

„Der Einsatz auf Usedom bleibt wie geplant. Lotta Kaspar ist informiert. Der Familie wurde unser Besuch für morgen angekündigt. Danach handelt ihr wie immer, standardisiertes Vorgehen.“

Felix öffnete erneut das Handschuhfach, auf der Suche nach einem Kaugummi. „Was hat sie?“

„Mammakarzinom. Hormonrezeptorpositiv. Acht Jahre Verlauf. Endstadium. Multiple Knochenmetastasen. Lebenserwartung: nur noch ein bis zwei Wochen.“

Felix lehnte sich lächelnd zurück, ließ den Kopf gegen die Kopfstütze sinken. Er sah zu Lars hinüber. Ein Blick wie Seide, sanft und kühl gleichzeitig. „Tja. Der gute alte Krebs. Er sorgt dafür, dass wir nie arbeitslos werden.“

Lars verzog keine Miene, hob nur langsam die Hand und machte ein stummes Zeichen, das so viel hieß wie: Sag mal, bist du bescheuert? Er deutete mit dem Daumen auf das Display.

Eine Sekunde Stille. Die Stimme ertönte erneut, kälter als zuvor, ohne jede Regung:

„Felix, das ist deine letzte Verwarnung. Du bist respekt- und pietätlos. Und damit für uns unbrauchbar. Ändere deine Einstellung!“

Ein Geräusch, kaum hörbar. Ein Ton, als wäre ein Kanal unterbrochen worden. Stille.

Felix schluckte. Er drehte langsam den Kopf zur Seite und sah wieder aus dem Fenster, wo die Felder im Abendlicht flimmerten.

Lars startete den Motor. Lautlos. Der Wagen setzte sich in Bewegung, glitt auf die Landstraße hinaus, als wäre er nie dagewesen.

„Sie hat gesagt, es muss einen anderen Weg geben“, murmelte Lars. „Morgen Usedom. Und übermorgen holen wir uns Sina.“

Der Wagen verschwand in der flimmernden Abendluft. Nichts blieb zurück, außer dem Versprechen, dass sie wiederkehren würden.

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