Der Flughafen riecht nach Metall und Bewegung.
Nach Kommen und Gehen, ohne Verweilen.
Eamon hatte gesagt, wir sollen nicht gemeinsam fliegen. Besser Noah und Mike nehmen einen Flug später.
Es war ein Rat, eine Warnung.
„Seht es nicht als Teil des Plans, ihr müsst ab hier selbst entscheiden, was richtig und falsch ist. Ich bin nicht mehr bei euch.“
. Aren beobachtet Elowen weiter, hatte Eamon gesagt.
„Sie hat behauptet, nichts von Noahs Aufenthaltsort zu wissen. Und plötzlich kommt ihr gemeinsam durchs Gate, eine winkende Elowen und daneben ein fröhlicher Mark. Wut wird unberechenbar, wenn eine solche Lüge plötzlich sichtbar wird.“
Wir hatten kurz überlegt und Eamon zugestimmt
Also kommen wir getrennt an.
Caelan geht einen halben Schritt vor mir. Nicht schützend. Wachsam.
Ich halte meinen Atem ruhig, zähle die Schritte bis zum Gate.
Etwas in mir fehlt.
Nicht schmerzhaft.
Aber deutlich.
Noah ist nicht hier.
Es ist, als hätte man mir ein Gewicht aus der Brust genommen und vergessen, mir etwas Gleichwertiges zurückzugeben.
Ich funktioniere.
Aber ich bin nicht ganz.
Ich halte das Gefühl fest.
Drehe es nach innen.
Nichts davon darf nach außen dringen. Nicht jetzt.
Meine Mutter steht dort, wo der Strom der Menschen sich aufteilt.
Nicht im Schatten.
Mitten im Licht.
Als sie mich sieht, verändert sich etwas in ihrem Gesicht.
Erleichterung.
Kurz. Unverstellt.
Dann wieder Kontrolle.
„Du siehst… blass aus“, sage ich, bevor ich es aufhalten kann.
Wir umarmen uns.
Sie lächelt kurz.
„Das ist nichts“, sagt sie. „Nur Anspannung.“
Ihre Stimme ist ruhig.
Sie mustert mich nicht. Sie nimmt mich auf. Als Ganzes.
„Seid ihr so weit?“
Nicht bereit.
So weit.
Caelan nickt.
„Wir bleiben beim Plan.“
Wir gehen los, Richtung Ausgang.
Meine Schritte fühlen sich leichter an, als sie sollten.
Der Wald liegt noch unter meiner Haut. Ich spüre ihn bei jedem Atemzug.
Und darunter dieses andere Ziehen.
Leiser. Persönlicher.
Ich denke nicht an Noahs Gesicht.
Nicht an seine Stimme.
Ich denke an den Raum neben mir, der leer geblieben ist.
„Noah bleibt nach außen, was er immer war“, sagt Caelan leise.
„Ein Mensch.“
Ich sehe ihn an.
„Und wenn es um mich geht?“
Er hält den Blick nach vorne gerichtet.
„Dann muss er lernen, zu halten. So wie du.“
Ich nicke.
Langsam.
Halten.
Nicht greifen.
„Ich halte mich nicht immer“, sage ich.
„Doch“, sagt Elowen. „Du hast aufgehört, dich davor zu fürchten.“
Das trifft tiefer, als ich will.
„Noah ist noch an ein Mädchen gebunden“, Caelan schaut auf seinen Rollkoffer, ein Stück Bonbonpapier scheint sich in den Rollen verheddert zu haben.
„Nicht aus Gefühl. Aus Gewohnheit.“
Ich weiß sofort, wen er meint.
„Er muss es langsam beenden“, sagt Elowen.
„Kein Schnitt. Kein Aufsehen.“
Madleen.
Der Name öffnet Bilder, bevor ich sie stoppen kann.
Noah, wie er sie ansieht.
Wie er lächelt, so wie er immer lächelt, wenn er niemandem wehtun will.
Wie er sich zu ihr beugt.
Ihre Nähe zulässt.
Vielleicht ihre Lippen.
Es brennt.
Heiß, scharf, ungebeten.
Ich spüre, wie sich meine Hände verkrampfen, zwinge sie locker zu bleiben.
Kein Zittern. Kein Blick. Kein Schritt zu viel.
Elowen sieht mich lächelnd an.
„Du hältst dich gut“, flüstert sie mir zu. „Eine echte Eirelan!“
Ich atme aus.
Einmal.
Dann noch einmal.
„Ja“, sage ich.
Und sehe sie an.
„Ich habe viel gelernt.“
Der Blick, den sie mir gibt, ist kein Lob.
Es ist Stolz.
„Die Morvaths folgen Mustern“, Caelan wirft das Bonbonpapier in einen Papierkorb, der Koffer rollt wieder frei..
„Nähe. Distanz. Wiederholung.“
„Also geben wir ihnen etwas, das Sinn ergibt“, sage ich.
„Und falsch ist.“
Ein Schatten fällt über uns.
Nicht von oben.
Von vorne.
Aren steht an der Drehtür.
Nicht im Weg, aber genau richtig.
Mein Herz schlägt einmal hart, dann wird alles still.
Sein Blick findet mich.
Nicht suchend.
Treffsicher.
Für einen Moment ist es, als würde er sehen, was in mir gebrannt hat.
Nicht Noah.
Nicht Madleen.
Sondern die Kontrolle, die es mich kostet.
Ich richte mich innerlich auf.
Nichts davon gehört ihm.
Sein Blick senkt sich auf die Koffer, seine Augen werden schmal.
Caelan und ich folgen seinem Blick.
Mir wird eiskalt.
Warum haben wir nicht daran gedacht?
Wir wollten doch immer einen Schritt voraus sein?
Er starrt auf das Papier um den Griff.
Drei Buchstaben. Schwarz. Ordentlich.
INV.
„Das ist aber nicht Irland“, sagt er ruhig.
Sein Lachen bekommt einen grausamen Zug, die Augen verdunkeln sich. Ein unangenehmer Geruch umgibt ihn plötzlich.
Niemand von uns antwortet.
„Ihr wart nicht zelten.“ Er schaut noch mal auf unser Gepäck.
Mir wird flau, niemand geht mit Rollkoffer zelten.
Er hebt den Kopf, neigt ihn zur Seite. Sein Blick ruht jetzt auf Elowen.
Nicht anklagend. Prüfend.
„Inverness also, in den Highlands von Schottland“, fährt er fort und stellt sich ganz nah vor Caelan, sucht nach Antwort in seinen Augen.
„Ich kenne nur einen Hüter, der da lebt.“