Hoofdstuk 36: Kapitel 35

Dit hoofdstuk is nog niet beschikbaar in het Dutch. Meld je aan om het te vertalen en voor iedereen toegankelijk te maken.

Der Flur war still. Nur das leise Surren der Lichtpaneele begleitete die Schritte, die sich näherten. Babsi lehnte einen Moment lang an der Wand neben der Tür und schloss die Augen. Die Arme vor der Brust verschränkt, den Rucksack über eine Schulter geworfen. Die Last zwischen Verrat und Loyalität wog schwerer als alles, was darin war.

Katja Sommer, ihr Mann Sven Widahn, Michael Heinrichsen sowie Konrad Vohwinkel, sie alle hatten ihr vertraut. Und dann war da auf der anderen Seite ihr Vater und das Versprechen an ihn. Sie sah ihn vor sich, den großen, weltoffenen Amerikaner, Professor Dr. Dr. James Hammlot, der trotz all seiner Arbeit immer Zeit und ein Ohr für seine einzige Tochter gehabt hatte. Sie seufzte und öffnete die Tür zum Konferenzraum.

Drinnen herrschte die sterile Kühle eines Raums, der alles Menschliche abschütteln wollte. Die Wände grau, schallgedämmt. Das Licht kam aus blendfreien, eingelassenen Streifen in der Decke, kaltweiß und gleichmäßig wie ein Versprechen auf Kontrolle. Am langen Konferenztisch saßen sie schon: Gesichter im Halbdunkel, hinterleuchtet von eingebauten Bildschirmen, auf denen Datenflüsse, Diagramme, Zellwerte und Bewegungsmuster überlagert wurden.

Ihre Stimme war trocken. „Ich will echt Feierabend machen. Ich arbeite nicht für euch, ja? Ich habe Freunde. Ein eigenes Leben.“

Niemand antwortete sofort. Nur ein kaum hörbares Klicken begleitete die Wechsel der Bilder auf dem großen Screen an der Stirnseite. Dort war Sina zu sehen, still im Bett sitzend, ihre Hände auf der Decke. Der Ton war ausgeschaltet, aber man sah, wie sich ihre Lippen bewegten. Als würde sie ein altes Lied murmeln, das niemand mehr verstand.

James räusperte sich, seine Stimme war ruhig, fast weich. „Schon gut, Babsi. Wir halten dich nicht lange auf, aber ich wollte dein kluges Köpfchen bei der bevorstehenden Diskussion dabeihaben.“ Er ließ den Blick einen Herzschlag lang bei Lars ruhen. „Lars hat ja auch Feierabend.“

Lars lächelte sie an, ein kurzer, warmer Blick, der im kalten Licht beinahe unstatthaft wirkte. „Ganz genau! Nicht nur du hast Feierabend im Kopf. Wir bringen das hier zu Ende, und dann ist für uns Wochenende.“

Babsi erwiderte das Lächeln. Sie setzte sich auf einen freien Stuhl seitlich des Kopfendes. Er hatte nie viel Zeit, immer Einsätze, immer Verschwiegenheit. Aber Wochenende mit ihm hieß etwas Besonderes: morgens aufwachen in Barcelona. Oder Mailand. Manchmal Monaco. Städte wie Stempel in einem Reisepass und doch nur ein Zimmer, ein Fenster zur See, sein Arm, ihr Atem. Für ein paar Stunden gehörte die Welt nicht dem Projekt, sondern ihnen.

Das Summen der Lüftung legte sich wieder über den Tisch, die Monitore flimmerten weiter. Der Professor zog die Stirn glatt. „Also gut. Zur Sache.“

Dr. Ulla Vogel hob langsam den Blick von ihrem Tablet. Ihre Stimme war kühl und präzise. „Wir haben alle unsere Verpflichtungen und Vergnügen, von zweiterem oft zu wenig, aber das dient der Sache.“

Felix grinste: „Der Sache dienen…, Herr Dr. Zelenka, hat ja dann nicht mehr so funktioniert. Ehrlich gesagt, bin ich immer noch sauer darüber, dass Sie an dem Abend, als Sie Lars und mich gerufen haben, um Ihnen mit den beiden Körpern zu helfen, so taten, als käme die Anweisung von Dr. Meininger. Das war doch nie abgesprochen, oder?“

Lars saß mit unbeweglicher Miene daneben, doch seine Stimme war messerscharf: „Sie haben gesagt, es sei genehmigt. ‚Von oben‘, wörtlich. Dass wir nichts zu fragen hätten. Dabei war es... was? Ein Alleingang?“

Zelenka presste genervt die Lippen zusammen. „Wie oft muss ich mich noch rechtfertigen. Es war Bereitschaftsnacht. Ich war allein. Die Archivgläser sollten entsorgt werden. Dann kam Elin rein, tot oder so gut wie. Ich dachte, ein Versuch wäre besser als ein zweiter Leichnam.“

Er holte Luft. „Elin hatte das Serum abgelehnt. Keine Präparation, keine Unterstützung. Der Körper war ideal für einen Testlauf. Also habe ich eine Einheit injiziert und ein Glas, das zur Vernichtung bereitstand, codiert. Notdürftig. Ich ging davon aus, dass es den Körper vielleicht ein paar Stunden stabil halten würde. Für die Übertragung. Aber keine Reaktion, Werte fielen. Ich war fast erleichtert.“ Ein kurzes Zucken um seinen Mund. „Dann fiel die Kühlkammer aus, und ich wusste, dass wir beim letzten Mal fast drei Wochen Probleme mit der Kammer hatten. Also wollte ich, dass Lars und Felix die beiden, Faris und Sina, auf dem alten Friedhof vergraben. Kein Risiko. Kein Lärm. Einfach verschwinden lassen.“

„Aber dann…“, begann Annika.

„…wachte sie einfach wieder auf. Genau in dem Moment, als der Hund bellte und der Pastor kam. Bis dahin war ich sicher, dass sie den Transport vom Bunker bis zum Friedhof nicht überleben würde. Und dann… ja.“

„Keine Rolle?“ Felix’ Stimme schoss hoch. „Wir haben zwei Körper aus dem Bunker geschafft! Im Wagen, auf der Hauptstraße! Wenn der Hund nicht gebellt hätte, wenn dieser Pastor nicht zufällig...“

„Dann wäre es vorbei gewesen“, sagte Zelenka leise. „Ich weiß.“

Dr. Vogel mischte sich ein, ihre Stimme schneidend: „Vorbei? Sie hätten einen Wirt samt Übertragung lebendig begraben lassen.“

„Sie wussten gar nichts“, warf Lukas ein. „Sie haben mit einem Bewusstsein gespielt, das Sie nicht verstehen. Sie haben eine Entität aktiviert, heimlich.“

Ein schweres Schweigen legte sich über den Tisch.

Dr. Meininger räusperte sich. „Ich denke, wir wissen alle, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt.“

Felix schnaubte. „Hauptsache, wir waren die Totengräber. Klasse.“

„Genug jetzt“, sagte Professor James Hammlot. Er saß am Kopfende, im Halbschatten. Sein Hemd nicht mehr ganz frisch, Manschetten umgeschlagen, Gesichtsausdruck müde. „Wir müssen aufhören, etwas zu verurteilen, was längst in Bewegung ist. Das führt doch zu nichts. Es war ein Fehler. Ein Risiko. Ein Leben. Und jetzt liegt es vor uns. Was wir tun, entscheidet nicht nur über sie. Sondern auch über uns. Ich habe mit Kanada telefoniert, man erwartet eine Lösung.“

Er schüttete sich Kaffee ein, blickte jeden einzeln an. „Ich möchte, dass wir bei der Sache bleiben.“

Felix lehnte sich zurück. „Die Sache. Gut. Also: Das Serum wirkt nicht mehr, oder?“

Dr. Vogel nickte, begann auf und abzugehen. „Der Wirtskörper ist instabil, das kognitive Restmuster hochaktiv. Wenn wir den Träger nicht ersetzen, kollabiert das System in ein bis zwei Tagen, vielleicht auch schon in Stunden.“

Babsi sah sie an, fassungslos. „Das ist alles so unmenschlich.“

Dr. Meininger zuckte mit den Schultern. „Wir stehen vor einer ethischen Grenzlinie. Wenn wir nicht übertragen, stirbt beides. Wenn wir übertragen, was stirbt dann? Der Körper? Die Seele oder die Verantwortung?“

Annika schüttelte den Kopf. „Das ist keine Option. Der Übergangsprozess… mit vollem Bewusstsein, das ist grausam.“

Felix hob die Braue. „Du meinst unser kleines Wunder?“

„Sie ist ein Mensch“, sagte Annika leise.

„Sie war ein Mensch, besser gesagt, es waren zwei Menschen“, entgegnete Felix. „Was ist sie jetzt? Experiment, Archiv, Echo? Jedenfalls, das Zeug funktioniert nicht dauerhaft. Wenn wir sie behalten wollen, brauchen wir einen neuen Körper. Bald.“

Dr. Vogel sah ihn höhnisch an: „Und du schlägst Texas vor.“

Felix: „Richtig. Huntsville. Hinrichtung in vier Tagen. Die letzte Injektion entfällt, Totenschein gibt es trotzdem. Stabilisierung, Überführung nach Binghamton.“

Annika: „Ihr führt einen zum Tod verurteilten bis an den Rand und zieht dem Bewusstsein den Stecker und lasst den Körper zurück?“

Felix: „Zumindest stirbt der Wirt nicht. Ist das nicht humaner? Er sollte doch sowieso hingerichtet werden.“

Annika: „Das ist kein Leben. Kein Tod. Das ist ein kaltes Dazwischen.“

Babsi sah zu ihrem Vater und schüttelte verständnislos den Kopf. Lars’ Finger streiften unauffällig ihre unter dem Tisch.

„Hat eigentlich jemand bedacht, was das für sie bedeutet? Sie ist eindeutig weiblich. Und ihr wollt sie in einen männlichen Körper setzen?“

Felix: „Besser als ständig neue Körper. Der Gefangene ist 45 Jahre und gesund.“

Babsi: „Nein! Ein Leben ohne Wahl?“

Felix lachte trocken. „Sie ist ein Experiment. Sie bleibt doch sowieso im Labor. Wen interessiert’s, in welchem Körper sie steckt!“

Ulla Vogel sah ihn an. Eisig. „Felix. Wenn ich deinem Vater nicht versprochen hätte, dich hier aufzunehmen, und mich um dich zu kümmern, wäre jetzt der Zeitpunkt, … dich… alleine zu lassen.“

Stille. Sie dehnte sich, schwer und undurchdringlich. Felix schluckte, die Kehle wie zugeschnürt. Annika, Lars und Lukas fixierten ihn, kalt, berechnend, als würden sie abwägen, ob er noch nützlich war.

Kein Zucken, kein Blinzeln, nur diese unausgesprochene Gewissheit: Wer sich gegen sie stellt, wer zur Gefahr wird, überlebt nicht lange, auch nicht in den eigenen Reihen.

Felix wusste genau, was das zu bedeuten hatte und er selbst würde ebenso handeln: jeden Befehl ausführen, zu jeder Stunde, zu jedem Preis.

Hammlot hob die Hände. „Sachlich bleiben. Niemand entscheidet heute. Aber das hier ist mehr als ein Transfer. Es ist eine neue Ebene. Und sie betrifft uns alle.“

„Was ist mit den Dokumenten?“, fragte Dr. Jaroslav Zelenka.

Meininger: „Team zwei hat in Zirkow geholt, was uns gehört.“

Vogel: „Bis auf das Ordensbuch.“

Meininger: „Bis auf das Buch, ja.“

Hammlot atmete aus. „Ob Dauersubjekt oder nicht, wir sollten uns fragen, wie weit wir noch gehen wollen.“

Die Luft schien kälter und schwerer geworden zu sein.

Wat vond je van dit hoofdstuk?

Inloggen om ook een recensie te schrijven.

Hfd 35Hfd 37