அத்தியாயம் 14: Lina – Heimkehr

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Der Tee ist schön warm.

Ich stehe in der Küche am Fenster und folge den Wolken, wie sie träge über die Stadt ziehen, als könnten sie mir sagen, wohin ich gehöre.

Meine Hände umfassen die Tasse, ohne dass ich es richtig merke. Wärme brauche ich gerade keine. In mir ist ohnehin alles in Bewegung. Zu viel. Zu neu.

Vorgestern war noch alles normal.

Seit dem ersten Auftauchen des blauen Nebels hat sich etwas verschoben und nicht mehr in seine alte Form zurückgefunden.

Das Handy liegt neben mir auf der Kücheninsel. Das Display ist dunkel, aber ich weiß genau, was darauf wartet. Sein Name. Seine Worte. Dieses leise Ziehen in mir, das immer dann stärker wird, wenn ich nicht hinschaue.

Noah.

Ich habe gelernt, mit Leere zu leben.

Mit Ruhe und mit Abstand.

Aber das hier ist etwas anderes.

Es ist kein Gedanke, den ich kontrollieren kann. Kein Gefühl, das sich noch einmal weg atmen lässt. Es ist, als hätte jemand eine Tür geöffnet, von der ich nicht einmal wusste, dass sie existiert und nun zieht etwas durch mich hindurch, vorsichtig und gleichzeitig unaufhaltsam.

Ich bekomme wieder besser Luft.

Nicht vollständig. Aber genug, um es zu bemerken.

Das macht mir mehr Angst als die Atemnot zuvor.

Ich stelle die Tasse ab und lehne die Stirn kurz gegen die kühle Scheibe. Die Stadt liegt unter mir, Glas, Stahl, Licht. Hochmodern. Glatt. Sicher.

Alles an dieser Wohnung ist darauf ausgelegt, Kontrolle zu vermitteln.

Und doch fühle ich mich, als würde mir genau diese Kontrolle gerade entgleiten.

Mein Spiegelbild im Fenster zeigt glühende Wangen. Die Augen wacher als sonst. Fremder.

Ich erkenne mich kaum wieder.

Ein Teil von mir will das Handy nehmen, sofort. Will lesen, will schreiben, will wissen, ob er gerade genauso dasitzt wie ich. Ob er auch auf einen Bildschirm starrt und versucht, Worte zu finden, die nicht zu viel verraten und doch alles sagen.

Der andere Teil von mir wünscht sich nichts sehnlicher, als zurückzukehren.

Zu meiner alten Leere. Zu diesem sicheren Nichts.

Ein leises Signal durchbricht die Stille.

„Elowen und Caelan sind angekommen“, sagt Siris ruhige Stimme aus dem Raum.

Mein Herz macht einen Sprung.

Nicht vor Freude.

Vor Wissen.

Ich richte mich auf, noch bevor ich nachdenken kann. Meine Finger schließen sich unbewusst um das Handy. Mein Atem stockt einen Moment, dann fließt er weiter.

Zu spät, um irgendetwas zu verbergen.

Sie sind da.

Und ich weiß, dass nichts von dem, was sich gerade in mir formt, verborgen bleiben wird.

Ich höre erst Schritte, dann Stimmen.

Meine Mutter bleibt abrupt stehen, als sie mich sieht.

Ihr Blick wandert über mein Gesicht. Bleibt an meinen Wangen hängen.

„Du hast geschlafen?“, fragt sie vorsichtig.

Ich nicke. Hoffentlich kauft sie mir die Lüge ab, ich habe keine Lust mich zu erklären.

„Geschlafen, ja?“ Caelan lehnt sich locker an die Arbeitsplatte. Zu locker. Sein Blick ist wach. Prüfend. „Am frühen Abend.“

Ich senke den Blick auf meine Tasse.

„Ich war müde.“

Elowen sagt nichts.

Noch nicht.

Aber ich spüre, wie sich etwas in ihr aufbaut.

Sie zieht den Mantel aus, legt ihn zu ordentlich über den Stuhl, als müsste sie sich zwingen, ruhig zu bleiben.

„Wie war es bei Maeve? Hast du erreicht, was du wolltest?“ Ich versuche von mir abzulenken.

„Es war schwierig, ich habe ihr alles erzählt, und sie hat zugehört. Aber…“ nervös spielt sie mit ihren Handschuhen, die sie immer noch festhält. „Vor drei Monaten ist eine Skeldur bei ihr nebenan eingezogen und eine sehr neugierige dazu. Wir dachten sie sei fort, ihren Sohn besuchen, als wir essen gehen wollten, stand sie plötzlich vor Maeves Tür, angeblich weil sie ihren Koffer vergessen hatte.“ Sie wendet sich an bittend an Caelven. „Ich brauche dringend einen Kaffee.“

„Oh Gott!“ ich stelle meine Teetasse auf das Fensterbrett. Skeldurs können Gedanken lesen. „Hat sie etwas mitbekommen, oder dich gesehen.“

Meine Mutter schüttelt den Kopf, eine Haarsträhne löst sich aus der akkuraten Steckfrisur. „Gesehen hat sie mich nicht, ich war gerade im Badezimmer. Aber wieviel sie gehört hat, ich weiß es nicht, Lina.“ Dankend nimmt sie von Caelan die dampfende Tasse Kaffee entgegen.

Mein Magen zieht sich zusammen.

„Maeve hat improvisiert“, fährt meine Mutter fort, während sie an ihrem Kaffee nippt und sich auf einer der cremefarbenen Küchenhocker setzt. „Hat gelogen. Hat ihr erzählt, ich wäre eine entfernte Nichte und ich hätte ihr einen Blumenstrauß geschenkt, so etwas erwarte man bei der eigenen Beerdigung, aber doch nicht bei einem stinknormalen Besuch.“ Sie schaut zu Caelan, der immer noch gegen die Arbeitsplatte gelehnt steht und kurz schmunzelt. „Naja, du kennst ja Maeve, Caelan.“

Caelan verschränkt die Arme.

„Aber Maeve glaubt, dass die Skeldur mehr mitbekommen hat, als uns guttut? Kann das sein?“

Mutter nickt resigniert, „Ja, sie hat Angst, sie hat versucht es zu überspielen, aber wer Maeve so lange kennt wie ich…“

Mein Handy vibriert und der Bildschirm leuchtet auf.

Noah.

Ich sehe seinen Namen, bevor ich überhaupt bewusst danach greife.

Und mit ihm ist dieses Gefühl wieder da.

Diese Wärme. Diese Unruhe.

NOAH

Ich dachte, das vergeht.

Tuts aber nicht.

Du bist plötzlich da, selbst wenn du es nicht bist.

Dito

Mehr als dieses eine Wort kann ich nicht schreiben. Wie gerne wäre ich jetzt in meinem Zimmer, fort von diesen ganzen Problemen, nur mit Noah schreiben, nicht vernünftig sein und zuhören müssen.

„Wir sind dann essen gegangen. Maeve meint, wir haben vielleicht noch ein wenig Zeit“, antwortet Elowen. „Wir sollen auf gar keinen Fall überhastet handeln. Aber wir sollen etwas bewegen.“

Das Handy vibriert in meiner Hand.

Einmal.

Ich sehe nicht hin. Stattdessen bemühe ich mich den Worten meiner Mutter zu folgen.

„Maeve hat einen Vorschlag gemacht, hat Mathair mir schon im Auto erzählt und der hört sich gar nicht mal so dumm an“, sagt Caelan und holt sich ebenfalls einen Kaffeebecher aus dem Schrank. „Statt zu warten, bis die Mor’kels uns finden, werden wir zuerst aktiv.“

„Und wie?“ frage ich leise. Ich will Noahs Nachricht lesen.

„Ihr fahrt zu jemanden, der sie kennt“, sagt Elowen. „Besser als jeder andere.“

Ich höre kaum noch zu.

Das Handy vibriert erneut.

Zweimal.

Ich sehe auf das Display.

NOAH:

Ich muss laufend an dich denken. Es fühlt sich an, als würde etwas in mir kreisen. Sag mir bitte, dass es dir genauso geht.

Mein Atem stockt.

Und gleichzeitig wird er freier.

„Lina“, sagt Elowen scharf. „Hörst du uns überhaupt zu?“

Ich sehe auf. „Ja. Schon.“

„Dann sag uns“, mischt sich Caelan ein. „Wie heißt der Junge? Von welchem Stamm kommt er? Wo wohnt er?“

So viele Fragen.

„Noah“, sage ich leise

Elowen blinzelt. „Was?“

„Er heißt Noah“, wiederhole ich. Mein Herz klopft bis in die Fingerspitzen.

Caelan richtet sich auf. „Ist das der Junge, der heute mit seinem Kumpel auf dem Schulhof stand?“

Ich nicke. „Ja. Genau der.“

Ein Moment Stille.

Elowen will gerade etwas sagen, als mein Handy erneut vibriert.

NOAH:

Ich weiß nicht, was hier gerade passiert. Aber ich weiß, dass ich dich sehen muss.

Ich spüre, wie mir kurz die Luft wegbleibt.

Caelan merkt es sofort. „Du bekommst wieder schlecht Luft.“

Ich nicke kaum sichtbar.

„Das war er“, sagt Caelan leise. „Stimmt’s?“

Ich antworte nicht.

Aber mein Schweigen reicht.

„Lina“, sagt Elowen streng. „Das hier ist kein Spiel. Wir kämpfen hier gerade um unser aller Leben.“

Meine Finger fliegen über den Bildschirm.

Meine Mutter und mein Bruder stellen Fragen. Sie haben Angst. Sie sagen, es geht um unser aller Leben.

Was, wenn er gar nicht versteht was ich von ihm will? Ich weiß so wenig von dir, Noah, aber ich fühle dich. Stark. Viel zu stark.

Die Antwort kommt fast sofort.

NOAH:

Ich komme mit meinem Vater. Nenn mir deine Adresse.

Mein Herz setzt einen Schlag aus.

„Er will kommen“, sage ich leise.

„Was?“ Elowens Stimme wird scharf.

„Er fragt nach meiner Adresse.“

„Nein“, sagt sie sofort.

„Ja“, redet Caelan gleichzeitig.

Sie sehen sich an.

„Mathair, wenn er der andere Teil ist“, sagt Caelan ruhig, „dann bringt Verstecken nichts mehr.“

Elowen schließt kurz die Augen. Dann nickt sie einmal.

Caelan sieht mich an, nicht mehr wie der liebende Bruder, sondern wie jemand der Befehle erteilt und keinen Widerspruch duldet

„Schreib ihm!“

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