第 38 章: Kapitel 37

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Es riecht nach Wärme, nach Metall und nach Marits Waschzeug. Und nach dem Nichts, das sie hier verstecken. Der Raum liegt in einer Stille, so dicht, als hielte er den Atem an. Es gibt keine Fenster, kein Laut dringt von draußen herein, nur das gleichmäßige Summen, das aus den Wänden kommt. Die Decke schimmert matt, trägt einen eigenen, flachen Atem.

Die Möbel sind auf das Nötigste reduziert: ein weißes, metallgerahmtes Bett mit einer starren, makellosen Decke. Ein schmaler Tisch, an dem nur Platz für eine Person ist. Ein Stuhl ohne Lehne. An der Wand um das Bett blinken winzige Lämpchen in verschiedenen Farben, ferne Sterne, gefangen in einem schmalen Kasten, dessen Zweck mir verborgen bleibt.

Die Luft ist rein, aber ohne Leben. Ich, die ich mich an Gerüchen orientiere, mag keine fast geruchslose, tote Welt. Keine Pflanze, kein Bild, an dem sich mein Blick festhalten könnte. Vielleicht soll ich hier sterben, denke ich, dann braucht man nichts mehr, keinen Duft, keine Farben.

Ich blicke an mir hinunter. Eine Frau hat gesagt, es müsse sein: eine Nadel im Arm, verbunden über einen dünnen Schlauch mit etwas, das Teil dieses Zimmers ist. In den Ecken vibriert ein leises Zittern, das an den Schlag einer Ader erinnert, wenn Schmerz hindurchgeht. Ich sitze auf dem Bett, die Decke über die Knie gezogen, und warte. Warten kann ich.

Die Tür öffnet sich lautlos. Dr. Vogel tritt ein, in ein Gewand gehüllt, so weiß wie der Raum selbst. Kurz darauf folgt ein älterer Mann, groß wie ein Bär, kräftig, in dunkler Kleidung. Er wirkt nicht wie ein Jäger und nicht wie ein Richter. Mehr wie ein Gastgeber, der weiß, dass der Gast nicht bleiben wird. Sein Name ist Professor Hammlot.

„Sina“, sagt Dr. Vogel sanft, „wir möchten mit Ihnen sprechen.“

Ich nicke. Mein Körper fühlt sich schwer an, die Haut wie altes Pergament. „Ich brenne“, flüstere ich. Es ist, als hätte man einen Ofen in mein Inneres gestellt.

„Dein Körper gibt langsam auf“, sagt Hammlot. „Das spürst du, nicht wahr?“

Ich antworte nicht, aber ich weiß, dass er recht hat. In der Nacht habe ich geträumt, nicht von Alina, nicht von Matthes oder goldenen Feldern, sondern davon, dass die Erde mich verschluckt. Kein Ort, an dem ich jemals sein will.

„Wir möchten Ihnen ein Angebot machen“, sagt Dr. Vogel und setzt sich auf meine Bettkante. „Wir haben uns beraten, was Sie angeht.“ Sie lächelt wehmütig. „Ich kannte einmal eine Frau, die viel wusste über Ihre Zeit. Sie erzählte mir, dass Sie früher in den Dörfern Rat gehalten haben, wenn etwas Ungewöhnliches geschah, wenn der Winter früher kam als gewöhnlich oder euer Vieh krank wurde. Stimmt das?“

Ich nicke, und eine warme Erinnerung legt sich über mich. Jemand hält ein Kind, jemand anderes die Angst.

„Du weißt vielleicht, dass du etwas Besonderes bist“, sagt Hammlot, nun am kleinen Tisch sitzend. „Etwas, das noch nie jemand geschafft hat. Wir haben ein Bewusstsein, fünfhundert Jahre alt, extrahiert, codiert und in einen menschlichen Wirtskörper eingepflanzt. Das war nicht geplant, eigentlich wollten wir das Archiv leeren. Aber jemand wollte, dass du bleibst. Du bist ein Experiment, Sina. Die Welt der großen Wissenschaftler wird kommen, um dich zu sehen. Ein Wunder, aber eines, das man befragen, nicht anbeten wird.“

Ein Frösteln geht durch mich. „Was ist ein Experiment?“

Ich sehe Dr. Vogel an, dass sie kurz überlegt, bevor sie antwortet: „Wenn Sie eine unbekannte Pflanze pflücken, daraus einen Tee kochen und ihn jemandem zu trinken geben, um zu sehen, ob er heilt oder stirbt, dann ist das ein Experiment.“

„Also probiert ihr einfach mal aus, ob jemand leben darf oder sterben muss.“ Das rutscht mir heraus, bevor ich es bremsen kann. Meine Stimme klingt schärfer, als ich es eigentlich will, aber das Feuer in meinem Leib lodert höher.

„Ja, unter anderem. Es gibt viele Arten von Experimenten. Du warst nicht geplant. Aber du bist hier.“

Ich schweige. Bin ich das Kraut? Der Tee? Oder der Mensch, der ihn trinken muss?

Hammlot steht auf. „Dein Wirtskörper gehörte einer todkranken Frau. Wir haben mit ihrem Einverständnis ihr Bewusstsein gesichert. Es ruht jetzt im Quantenfeld.“

Zu müde zum Fragen, verstehe ich nur: Jemand hat diese Frau gefragt, mich jedoch nicht.

Dr. Vogel wendet sich an Hammlot: „Sie versteht nicht, was du meinst. Rede anders mit ihr.“

Er tätschelt meinen Arm. „Mach du das. Ich habe eine Verabredung.“ Er verlässt den Raum ohne ein weiteres Wort.

„Was er meint“, sagt Dr. Vogel, „ist: Das ‚Ich‘ von Elin sitzt jetzt auf einer Wolke, wenn du so willst. Wenn wir sterben, kommen wir doch irgendwohin, in den Himmel oder in die Hölle.“

Ich runzle die Stirn. „Alle Seelen gehören zu Gott. Warum haltet ihr sie fest?“

„Wir haben nur getan, was der Mensch immer wollte. Wir wollen bleiben, weitergeben, alles überdauern.“ Ihre Stimme wird leiser, fast vertraulich, doch in ihren Augen liegt ein Glanz, der mich frösteln lässt. „Ich spreche vom ewigen Leben, nicht von dem, was Religionen versprechen, nicht von Esoterik. Ich spreche von Wissenschaft. Von Grenzen, die wir überschreiten. Nicht für alle, nur vereinzelte Menschen, aber genug, um eine bessere Welt zu schaffen. Menschen mit wirklicher Macht, die für Ordnung sorgen. Dafür braucht es nur wenige, glaub mir.“

Ihre Augen glänzen fiebrig. „Ihr Mann … Matthes. Er hat für Alina geschnitzt, nicht wahr?“ Ich schließe die Augen. Das Bild ist sofort da: Matthes am Ufer, das Messer in der Hand, ein Stück Holz. Alina neben ihm, barfuß, die Augen voller Staunen.

„So wie er dem Holz eine Form gegeben hat, können wir Gedanken und Erinnerungen formen. Gedanken werden zu Gefühlen, und Gefühle führen zu Handlungen. Manchmal zu Taten, die ein ganzes Leben und das Leben von anderen verändern.“

Dr. Vogel lehnt sich leicht vor. „Wir können Ihnen etwas geben, was kein anderer Mensch hat. Ewiges Leben.“

Ich starre sie an, als hätte sie den Verstand verloren.

„Zurzeit“, fährt sie fort, „stehen nur wenige Wirtskörper zur Verfügung. Alle vier Wochen … nach jedem Mondlauf bekommen Sie einen neuen. Diese Körper sind krank, schwerkrank, aber lebendig. Ihre Erinnerungen bleiben Ihnen vollständig erhalten, und wir bringen Ihnen alles bei, was die moderne Zeit zu bieten hat. Sie können sich frei bewegen. Auf einer Insel voller Reisender fällt es niemandem auf, wenn jemand öfter ein anderes Gesicht hat. Hier im Labor bekommen Sie ein eigenes Refugium, ganz modern, mit Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer. Im Gegenzug prüfen wir täglich Ihre Hirnströme und den Wirtskörper.“

Ich spüre, wie mir heiß wird, als stünde ich am Rand eines Feuers. „Bestehen? Worin? In Körpern, die nicht die meinen sind? In einem Leib, der sich fremd anfühlt, nach jedem Mondlauf ein anderer? Ich könnte sehen, wie ein Kind geboren wird und dabeibleiben, bis ihm als alter Greis der Atem versagt. Immer wieder. Winter um Winter. Das ist kein Leben. Das ist Teufelswerk.“

In mir zieht sich alles zusammen. Das, was sie mir anbietet, klingt nicht nach Freiheit, sondern nach einer Kette, die niemals rostet. Ich stelle mir vor, wie ich in Gesichter blicke, die mich nicht mehr kennen, während ich sie noch liebe. Wie ich an Betten stehe, an Wiegen, an Gräbern, immer dieselbe Seele, immer derselbe Schmerz. Kein Abschied, der jemals heilt. Keine Hand, die bleibt.

Nur endlose Jahre, die mich Tropfen um Tropfen aushöhlen. Bis von mir nichts mehr übrig ist. Jenseits meines Namens, ein Ort ohne Erinnerung. Ein Name, den niemand mehr ausspricht.

„Sie hätten niemals ein Ende“, sagt sie leise, fast ehrfürchtig.

„Doch“, flüstere ich. „Alles, was ich geliebt habe, hatte ein Ende. Meine Eltern. Matthes’ Eltern. Matthes. Alina. Meine Freunde und auch meine Feinde. Und das soll ich immer und immer wieder mitmachen? Alle verlieren, die mein Herz berühren, immer wieder aufs Neue? Und ich …? Ich bleibe zurück, gefangen in Körpern, die Gott nicht für mich geschaffen hat.“

Ich lehne mich leicht vor, soweit es meine Kraft erlaubt. „Wisst Ihr, was es bedeutet, wenn man bleibt, während alles um einen vergeht? Wenn Gesichter, die man liebt, zu Staub werden, während man selbst weiteratmet? Es ist, als würde man in einem Haus stehen, das Stück für Stück zerfällt, und man ist gezwungen, jede Mauer einstürzen zu sehen, jeden Balken morsch werden zu spüren, bis man schließlich allein in der Leere steht. Das Herz wird schwer von den Namen, die niemand mehr kennt. Von Stimmen, die niemand mehr hört. Und je mehr man verliert, desto mehr verliert man sich selbst.“

Ich schüttele den Kopf, so energisch, wie ich noch kann. „Ich will bleiben, was ich bin. Gottes Schöpfung. Mit dem Anfang, den er für mich wollte und dem Ende, das er für mich bestimmt.“

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