فصل 26: Eliza – Steak und Schatten

این فصل هنوز به Persian ترجمه نشده. وارد شوید تا آن را ترجمه کنید و برای همه رایگان کنید.

Das Steakhouse ist warm und dunkel, obwohl draußen die Lichter der Stadt blinken, als müsste London sich selbst beweisen. Es riecht nach gebratenem Fleisch, nach Pfeffer, nach Butter, nach diesem schweren, gemütlichen Versprechen, dass man satt wird, egal wie leer man innerlich ist.

Die Tische stehen dicht. Gläser klirren. Besteck trifft Porzellan. Stimmen laufen ineinander, lachen kurz auf, werden wieder leiser. Über uns hängt gedämpftes Licht, so weich, dass es jede Falte in Gesichtern gnädiger macht.

Margret sitzt mir gegenüber und sieht aus, als würde sie das hier nicht nur genießen, sondern kontrollieren.

Als wäre selbst ein Abendessen ein Plan.

Sie hat die Speisekarte schon längst geschlossen. Nicht, weil sie nichts gefunden hat, sondern weil sie entschieden hat.

Ich habe noch immer dieses staunende Gefühl, als wäre ich in ein Leben geraten, das mir plötzlich passt. Haus. Renovierung. Thomas. Tagebuch. Und irgendwo dazwischen dieser Zettel, der sich nicht mehr wegdenken lässt.

Und jetzt sitze ich hier, als wäre es normal, dass man zwischen Kerzenlicht und Steak über eine andere Welt spricht.

„Du bist still“, sagt Margret.

Ich schaue auf ihr Glas. Rotwein. Natürlich. Er passt zu ihr. Ruhig. Dunkel. Bestimmt.

„Ich denke nur“, sage ich.

„Du denkst zu viel“, sagt sie. Und hebt die Hand, als der Kellner kommt.

„Zwei Steaks“, sagt sie, ohne zu zögern. „Medium, dazu gemischten Salat, gebratene Zwiebeln und die Champignonrahmsoße, und Kartoffeln mit Sauerrahm“

Ich starre sie an.

„Du wolltest vegan probieren“, sage ich.

Margret blinzelt.

„Stimmt, aber eigentlich nicht meine Welt“, sagt sie, als hätte ich gerade vorgeschlagen, wir könnten zum Nachtisch Beton essen. „Vielleicht ein anderes Mal.“

Ich muss lachen. Kurz. Ungewollt.

Sie lächelt nicht. Aber ihre Augen werden weicher.

Der Kellner geht.

Margret lehnt sich zurück, legt die Hände um ihr Glas und sieht mich an, als würde sie auf den Moment warten, in dem ich endlich ausspreche, was ich schon den ganzen Tag in mir herumtrage.

„Frag mich“, meint sie.

„Was?“

„Wir waren shoppen, du hast mich über mein Verhältnis zu Oma gefragt und wir wollten reden“, sagt sie.

„Du willst wirklich darüber reden? Über Oma und Aelyr?“

„Nein“, sagt Margret. „Ich will, dass du aufhörst, darüber zu fantasieren.“

Da ist er.

Dieser Ton, der bei ihr immer kommt, sobald es um Alma geht. Nicht böse. Aber… wie eine Tür, die man zuzieht.

Ich lege die Serviette auf meinen Schoß. Meine Finger bewegen sich langsam und vorsichtig.

„Ich fantasiere nicht“, sage ich.

Margret zieht eine Augenbraue hoch.

„Hast Du es dabei?“ fragt sich mich und schaut sich um, als würden wir gerade ein Verbrechen planen.

Ich zögere nur einen Moment. Dann greife ich in meine Tasche, ziehe das Tagebuch heraus und lege es vorsichtig auf den Tisch, als würde ich etwas Lebendiges abstellen. Das Leder ist abgewetzt, die Kanten weich, als wäre es oft gehalten worden.

Margrets Blick fällt darauf.

Sie sagt nichts, aber ich sehe, wie sich etwas in ihr zusammenzieht.

„Und das hier“, sage ich leise.

Ich lege den Zettel daneben.

Nur ein Stück Papier.

Und doch wirkt es, als hätte es Gewicht.

Margret schaut hin, als würde sie es nicht anfassen wollen. Dann nimmt sie ihn doch zwischen zwei Finger, so vorsichtig, als könnte er schmutzig sein.

Sie liest.

Einmal.

Noch einmal.

„Wenn du mich suchst, du findest mich in Aelyr“, murmelt sie.

Sie sagt es nicht wie eine Botschaft.

Eher wie einen Satz, der sich weigert, harmlos zu sein.

„Und?“ fragt sie dann und legt den Zettel wieder hin.

Ich starre sie an.

„Dir fällt nichts auf?“, frage ich.

Margret schaut von dem Zettel zu mir.

„Eliza“, sagt sie. „Es ist ein Satz.“

„Mama“, sage ich, und jetzt wird meine Stimme fester, „schau auf den Zettel und in das Buch.“

Sie seufzt, als würde ich sie zwingen, eine Matheaufgabe zu lösen, für die sie keine Geduld hat. Sie nimmt das Tagebuch, schlägt es irgendwo auf, ohne zu wissen, wonach sie sucht.

Ihre Augen fliegen über die Zeilen.

„Und?“ fragt sie wieder.

Ich tippe auf die Schrift.

„Vergleich“, sage ich.

Margret hält inne.

Sie sieht auf die Tagebuchseite. Dann auf den Zettel. Wieder zurück.

Und plötzlich wird ihr Blick anders.

Wacher.

Schärfer.

„Das…“, sagt sie langsam.

Ich nicke.

„Es ist nicht dieselbe Handschrift“, flüstere ich.

Margret klappt das Tagebuch halb zu, als hätte sie Angst, es könnte gleich etwas tun.

„Das kann auch einfach…“, beginnt sie.

„Nein“, unterbreche ich sie. „Es ist wirklich anders. Ben hat es auch gesehen.“

Margret hebt den Blick.

„Ben“, wiederholt sie.

„Der Altersforscher“, sage ich schnell. „Thomas’ Freund.“

Margret starrt mich an, als würde sie gleich etwas sagen, dass sie sich nicht verkneifen kann.

Dann lehnt sie sich zurück.

Und ihre Mundwinkel zucken.

Nicht ganz ein Lächeln.

Eher eine Mischung aus Unglauben und Überforderung.

„Fehlt nur noch“, sagt sie trocken, „dass du glaubst, eine Elfe sei gekommen und hätte Oma Alma diesen Zettel geschrieben.“

Ich starre sie an.

„Mama…“

„Eliza“, unterbricht sie mich, leise, aber scharf. „Das ist Papier. Tinte. Ein Satz. Mehr nicht.“

Ich spüre, wie mir heiß wird.

Nicht vor Wut.

Vor diesem alten Gefühl, dass ich bei ihr immer erst beweisen muss, dass ich nicht lächerlich bin.

„Ich weiß, dass es Papier ist“, sage ich. „Aber du hast ihn doch selbst gelesen.“

Margret schaut kurz weg. Nur einen Moment. Als hätte sie keine Lust, sich daran zu erinnern.

„Ja“, sagt sie dann. „Und?“

Ich atme ein.

„Und er hat etwas mit mir gemacht“, sage ich.

„Natürlich“, sagt Margret. „Weil du gerade in einem Haus wohnst, das dir nicht gehört hat, und weil du dich schuldig fühlst, und weil du irgendetwas brauchst, das dir sagt: Es ist okay.“

Ich schlucke.

So direkt sagt sie das. So unerbittlich. Und gleichzeitig… so treffend, dass es weh tut.

Der Kellner bringt Brot und Butter. Das Brot, warm und knusprig. Ein kleiner Korb, als müsste man etwas in der Hand halten, um nicht wegzudriften.

Margret bricht ein Stück ab, isst es langsam.

„Ich will nicht, dass du dich da reinsteigerst“, sagt sie.

„In was?“

„In diese…“, sie macht eine kleine Bewegung mit den Fingern, als würde sie ein Spinnennetz zerreißen. „Elfen. Aelyr. Nimmerland. Omas eigene Peter Pan Geschichte“

Ihre Worte treffen mich.

Nicht, weil ich sie nicht kenne.

Sondern weil ich merke, dass sie es nicht nur über Almas Welt sagt.

Sie sagt es über Alma.

Ich lehne mich zurück.

„Warum bist du so?“, frage ich leise.

Margret schaut mich an.

„Wie bin ich?“

„So kalt“, sage ich.

Ihre Finger um ihr Glas werden fester.

Als müsste sie sich irgendwo festhalten.

„Ich bin nicht kalt“, sagt sie.

„Doch“, sage ich. „Du warst es immer, wenn es um Oma ging. Wir haben sie nur sehr selten besucht. Du hast nie über sie gesprochen. Du hast sie…“ Ich suche nach dem Wort. „…abgelegt.“

Margret legt ihr Brot zurück in den Korb.

Ihre Finger sind plötzlich sehr ruhig.

„Du hast keine Ahnung“, sagt sie.

Ich halte ihren Blick.

„Dann sag es mir“, flüstere ich.

Margret atmet aus.

Langsam.

Und für einen Moment wirkt sie nicht wie meine Mutter.

Sondern wie jemand, der wieder fünfzehn ist und sich schämt, dass sie noch lebt.

„Als Mama gestorben ist…“

Sie holt tief Luft. Ihre Stimme ist fest. Aber darunter liegt etwas, das vibriert.

„Ich war fünfzehn“, sagt sie. „Und Oma war Ende fünfzig. Opa auch. Für mich waren sie…“ Sie sucht nach einem Wort. „…wie eine Wand.“

„Eine Wand?“ frage ich.

Margret nickt. Ihre Augen bleiben auf dem Tisch.

„Sie waren da und sie waren auch gut zu mir“, sagt sie. „Gleichzeitig haben sie… funktioniert. Sie haben gekocht. Sie haben dafür gesorgt, dass ich weiter zur Schule ging. Sie haben getan, was man tut, wenn jemand stirbt und ein Kind übrig bleibt.“

Ich schlucke.

„Oma Rose war…“ Meine Stimme wird kleiner.

Margret nickt einmal, kurz.

„Mutter war in meinen Augen noch so jung“, sagt sie. „Sie war… sie war meine Mama. Nicht nur irgendeine Erwachsene. Sie war…“ Sie bricht ab. Ihre Finger umklammern das Glas. „Sie war alles für mich. Einen Vater gab es nicht, bis heute nicht.“

Ich sehe, wie ihre Hand zittert.

Nur ein bisschen.

Aber genug, um zu merken, dass das hier nicht einfach ein Gespräch ist.

Das hier ist eine Wunde.

„Und weißt du, was ich mir heimlich gewünscht habe?“ fragt Margret.

Ich halte den Atem an.

Sie hebt den Blick.

Und in ihren Augen ist etwas, das ich noch nie so gesehen habe.

Scham.

„Ich habe mir gewünscht“, sagt sie leise, „dass Oma gestorben wäre und nicht meine Mutter.“

Ich spüre, wie mein Magen sich zusammenzieht.

„Mama…“

„Sag nichts“, flüstert Margret. „Sag einfach nichts.“

Sie schluckt.

„Ich habe mich dafür gehasst“, sagt sie. „Jahrelang. Ich habe mich dafür gehasst, dass ich so gedacht habe. Aber ich war fünfzehn. Ich war noch ein halbes Kind. Und ich habe gesehen, wie Oma weitergeatmet hat, weiter gekocht hat, weiter gelebt hat.“

Sie lacht kurz. Ohne Freude.

„Und dann kam sie auch noch mit ihren Elfen“, sagt sie. „Mit diesem Aelyr. Mit dieser Welt, in der alles…“ Sie macht eine Bewegung, als würde sie etwas Weiches wegschieben. „…leicht ist.“

Ich sehe sie an.

„Vielleicht war das ihre Art zu überleben“, sage ich.

Margret nickt, aber nicht zustimmend.

Eher müde.

„Vielleicht“, sagt sie. „Aber ich konnte das nicht. Ich musste in der echten Welt bleiben. Ich musste funktionieren. Ich musste…“ Sie bricht ab, und ich sehe, wie sie kurz die Lippen zusammenpresst. „Ich musste Mama beim Sterben zusehen. Und Oma hat mir Geschichten erzählt.“

Ihre Augen werden glasig.

„Und ich wollte sie anschreien“, flüstert sie. „Ich wollte sie schütteln. Ich wollte, dass sie endlich…“ Ihre Stimme bricht. „…endlich normal ist.“

Ich sitze da, ganz still.

Der Kellner kommt mit den Tellern und Schüsseln. Das Steak zischt noch. Ein schwerer Geruch, warm und salzig. Margret bedankt sich, als wäre nichts gewesen.

Als wäre sie nicht gerade auseinandergefallen.

Sie nimmt Messer und Gabel.

Ich nehme meine auch.

Wir schneiden beide, als müssten wir uns beschäftigen, damit die Wahrheit nicht wieder zu laut wird.

„Ich bin mit achtzehn ausgezogen“, sagt Margret plötzlich.

Ich schaue auf.

„In eine WG“, sagt sie. „Und Oma und Opa haben mich gelassen.“

Sie legt sich Schmorzwiebeln auf das Fleisch, schneidet das Stück ab und isst es, als müsste sie beweisen, dass sie das alles verdauen kann.

„Sie haben alles bezahlt“, sagt sie. „Miete. Bücher. Essen. Studium. Alles. Opa war Landschaftsgärtner und Oma hatte ihre kleine Konditorküche. Sie backte Kuchen und die schönsten Torten auf Anfrage. Reich waren sie nicht, aber irgendwie… “

Ich starre sie an.

„Und sie haben sich nie beschwert“, sagt Margret. „Nie ein böses Wort. Nie ein Vorwurf.“

Sie schnaubt leise, fast unhörbar.

„Verrückt, oder?“ murmelt sie. „Vielleicht hätten sie das mal machen sollen.“

Ich spüre, wie mir die Kehle eng wird.

„Oder vielleicht“, sage ich leise, „solltest du ihr jetzt mal ein bisschen Zeit schenken, Großvater ist tot, aber Oma, sie ist noch da.“

Margret hält inne.

Ihre Gabel bleibt in der Luft.

„Sie kann dich bestimmt hören“, sage ich. „Noch ist es nicht zu spät.“

Margret schaut mich an.

Und ich sehe, wie sie kämpfen will.

Wie sie den alten Reflex sucht: ablenken, lächeln, Thema wechseln.

Sie öffnet den Mund.

Und in genau diesem Moment vibriert mein Handy.

Ich schaue auf den Bildschirm, eine Nachricht.

„Oder vielleicht doch“, flüstere ich.

THOMAS

Komm bitte. Oma Alma will nicht mehr aufstehen.

این فصل چطور بود؟

ورود برای نوشتن نقد نیز.

فصل 25فصل 27