Capitolo 23: Alma – Das Geländer

Questo capitolo non è ancora disponibile in Italian. Accedi per tradurlo e renderlo libero per tutti.

In Aelyr kündigt sich nichts an.

Es ist einfach da.

Ein Weg, der weich ist unter meinen Füßen, als wäre er nicht aus Erde, sondern aus etwas, das sich erinnert. Der Bach läuft nebenher, klar und geduldig, und das Licht zwischen den Bäumen wirkt zeitlos

Die Luft riecht nach feuchtem Stein und nach Blättern, die irgendwo trocknen, ohne zu sterben. Manchmal liegt ein Hauch von etwas Süßem darin, aber so weit weg, dass man es nicht greifen kann. Nur ahnen.

Ich gehe langsam.

Nicht, weil ich müde bin.

Sondern weil ich spüre, dass heute jemand hinter mir hergeht.

Ein Mädchen.

Zu schmal.

Und still. Sie trägt eine Last, eine die zu schwer für sie ist und zu schwer für Worte.

Sie zieht die Pulli Ärmel über die Hände. Ihre Schultern sind hochgezogen. Sie schützt sich gegen etwas Unsichtbares.

Ihr Blick hängt am Boden. Dort sucht sie nach etwas, das nur sie vermisst.

Der Wind spielt mit einer losen Haarsträhne an ihrer Wange. Sie schiebt sie nicht weg. Sie merkt es kaum. Als wäre selbst das zu nah.

Ich bleibe stehen.

Sie bleibt auch stehen.

Ein paar Schritte Abstand. Genau so viel, dass sie noch fliehen könnte.

„Du musst nicht bleiben“, sage ich leise.

Sie hebt den Kopf nicht.

„Ich kann nicht zurück“, flüstert sie.

Ich sehe sie an.

„Doch“, sage ich. „Noch kannst du.“

Der Satz hängt in der Luft wie ein Faden, der zu dünn ist, um etwas zu tragen, und trotzdem hält er alles zusammen.

Ich gehe weiter.

Langsam, damit sie nicht merkt, dass ich auf sie warte.

Sie folgt.

Ihre Schritte sind kaum zu hören. Nicht, weil der Boden sie schluckt, sondern weil sie gelernt hat, so zu gehen, dass niemand sie bemerkt. Als wäre Sichtbarkeit gefährlich.

Der Weg führt an einer Wiese vorbei. Dort stehen Bänke, alt und schief. Viele haben hier schon verweilt. Heute sitzt niemand darauf. Und doch wirken sie nicht verlassen.

Eher bereit.

Ich setze mich.

Das Holz ist warm unter meinen Handflächen, als hätte es schon lange vor mir jemanden gehalten. Als hätte es sich gemerkt, wie man das macht.

Das Mädchen bleibt stehen, zögert, ob es sich zu mir setzen darf.

„Komm“, sage ich nur.

Sie setzt sich neben mich. So nahe, dass ich ihren Atem höre. Ich spüre ihre Angst, zu viel Raum zu nehmen.

Ich schaue nicht zu ihr.

Ich lasse sie erst da sein.

Der Bach gluckst leise, als würde er versuchen, die Stille nicht zu erschrecken. Weiter hinten ruft ein Vogel einmal, nur ein Ton, als hätte er sich selbst erinnert und dann wieder geschwiegen.

Und dann sehe ich sie.

Eine Fee.

Nicht groß. Nicht strahlend. Nicht so, wie man es sich ausdenken würde, wenn man einen Ort schön machen will.

Diese Fee ist zerrupft.

Ihre Flügel sind intakt, aber sie trägt sie nicht wie Schmuck, sondern wie etwas, das zu schwer geworden ist. Sie schwebt ein Stück über dem Gras, unsicher, und ihre Hände sind voll von kleinen Kratzern, die sie sich scheinbar selber zugefügt hat. Immer wieder. Als wäre das das Einzige, was sie noch fühlt.

Sie landet auf einem Stein.

Der Stein ist von Moos überzogen und glänzt, als wäre er gerade erst aus dem Wasser gezogen worden. Die Fee sitzt darauf, die Knie angezogen, und schaut zu uns herüber.

Ihr Blick zeugt von Vorsicht und Einsamkeit.

Das Mädchen neben mir sieht sie auch.

Ich merke es, weil sich ihr Rücken anspannt, als hätte sie plötzlich einen Spiegel vor sich.

„Die tut sich weh“, flüstert sie.

Ich nicke.

„Ja“, sage ich.

Das Mädchen schluckt.

„Warum?“ fragt sie.

Ich atme langsam aus.

„Weil sie nicht weiß, wohin mit dem, was in ihr ist“, sage ich.

Die Fee zieht ihre Ärmel, winzige Ärmel, als hätte sie sich irgendwo Stoff geklaut, noch weiter über die Hände, als könnte sie sich selbst verstecken.

Das Mädchen neben mir macht die gleiche Bewegung.

Unbewusst.

Gleichzeitig.

Ich sehe es.

Ich sage nichts.

Manchmal ist das Erkennen schon genug.

Der Wind streicht über die Wiese, hebt das Gras an und legt es wieder hin, als würde er es beruhigen. Das Licht zwischen den Bäumen flimmert kurz, nicht wie Magie, eher wie ein Augenlid, das blinzelt.

„Kannst du…“ Das Mädchen bricht ab.

Ihre Stimme ist dünn.

„Kannst du sie… heil machen?“ fragt sie schließlich.

Ich schaue die Fee an.

Sie schaut zurück.

Und ich weiß: Man kann niemanden heil machen, der nicht bleiben will.

Nicht sofort.

Nicht mit Worten.

Nicht mit Händen.

„Ich kann ihr ein Geländer geben“, sage ich leise.

Das Mädchen runzelt die Stirn.

„Ein Geländer?“ wiederholt sie.

Ich nicke.

„Etwas, das hält“, sage ich. „Wenn alles wackelt.“

Das Mädchen schaut auf ihre Knie.

„Und wenn ich loslasse?“ flüstert sie.

Ich antworte nicht sofort.

Der Bach läuft weiter.

Das Licht bleibt.

„Kannst du trotzdem nicht fallen“, sage ich. „Dann stehst du nur kurz ohne Handlauf. Und das fühlt sich an wie fallen. Ist es aber nicht.“

Das Mädchen atmet ein.

Und zum ersten Mal klingt es nicht wie ein Kampf.

Die Fee hebt den Kopf.

Sie schwebt ein Stück näher.

Ganz vorsichtig, als hätte sie Angst, dass Nähe weh tut.

Dann streckt sie eine Hand aus.

Nicht zu mir.

Zu dem Mädchen.

Sie berührt sie nicht.

Sie hält nur ihre Hand in die Luft, ganz nah, als würde sie sagen: Ich bin da. Ich weiß es. Ich kenne das.

Das Mädchen starrt darauf.

Und etwas in ihrem Gesicht verändert sich.

Nicht viel.

Nur ein Millimeter.

Aber es ist der Millimeter, in dem man wieder Mensch wird.

„Erzähl mir eine Geschichte“, sagt sie.

Nicht wie ein Kind.

Wie jemand, der gerade nicht weiß, wie man lebt, und trotzdem bleiben will.

Ich nicke.

„Gut“, sage ich.

Und ich beginne.

Nicht mit großen Dingen.

Nicht mit Zauber.

Sondern mit einem Mädchen, das zu leise geworden ist, und einer Fee, die sich selbst weh tut, weil sie glaubt, sie müsse es.

Und mit einem Ort, der nichts verlangt.

Nur: Komm. Bleib. Bis der Boden unter dir wieder trägt

Com'era questo capitolo?

Accedi per scrivere anche una recensione.

Cap 22Cap 24