第40話: Kapitel 39

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„Ist sie weg?“ Ich blinzele, die Augen spielen nicht mehr mit. Über mir zwitschern immer noch die Vögel in den Bäumen.

Marit nickt lächelnd. „Du kannst die Augen wieder aufmachen.“

Sie hilft mir vorsichtig, mich aufzurichten, aber der Körper, in dem ich stecke, will einfach nicht mehr. Die Decke rutscht ein Stück hinab, die Schultern sind noch schmäler geworden in den letzten 24 Stunden. Ich bemühe mich so gut ich kann, um einen wachen Blick. Sie sind so liebe Menschen. Jedoch ist da etwas, das mich fortzieht, dem ich nicht entkommen kann und ehrlicherweise auch nicht mehr will.

„Ist sie eine Gesandte Gottes oder eine des Teufels, was meint ihr?“ frage ich. In dem Körper ist ein letztes Aufbäumen, bevor er sich zur Ruhe bettet, für immer.

Konrad tätschelt meine eiskalte Hand. „Ich glaube, das weiß sie selbst nicht so genau.“

„Sie hat gesagt, dass sie mir ewiges Leben schenken wolle. Das ist eine Sünde. Nur Gott kann das.“

„Du hast abgelehnt?“, fragt Katja mit einem fast ehrfürchtigen Unterton.

Ich nicke. „Ja. Ich gehöre hier nicht hin. Und die Vorstellung, ewig zu leben…“ Ich hebe den Kopf, blicke in den Himmel. Alles verschwimmt. Über mir brummt eine Hummel, langsam, als trüge sie schwer an der Welt. „… ich wäre ganz allein. Ich habe jetzt schon große Sehnsucht nach Matthes und Alina. Ihr würdet ja auch nicht bleiben. Ich will nach Hause. Versteht ihr, was ich meine?“

Marit legt mir die Hand auf den Arm. „Ja, wir verstehen es, auch wenn es weh tut. Du bist ein so wundervolles Wesen.“

Trotz der bleiernen Müdigkeit muss ich lächeln. „Zusammengeflickt wie aus zwei Stücken Stoff, die nicht zusammenpassen und nicht zusammengehören. Es ist nicht echt.“ Ich will jetzt keinen Kummer mehr und kein Gefühl, dass mir viel Unrecht widerfahren ist. „Ich fühle mich nicht… ganz.“

Der Wind raschelt sanft durch die Blätter des Apfelbaums. Eine Amsel hüpft über die Steine. Der Nebel hat sich verzogen, das Licht fällt weich auf den Tisch mit den halbgegessenen Brötchen, dem kalten Rührei, der Erdbeermarmelade, in der sich nun keine Fliege mehr spiegelt. Ich selbst habe keinen Hunger und keinen Durst mehr. Von irgendwoher zieht der Duft nach Jasminblüten zu mir herüber.

Ich schnuppere so gut ich kann. „Riecht ihr das auch? Den Duft nach Jasmin?“

Ich höre ihre Stimmen nur noch bruchstückhaft. Ein Rauschen liegt dazwischen, wie Wind in hohen Bäumen. Manchmal dringt ein Wort hindurch, aber ich weiß nicht, ob es zu mir gehört.

Meine Hände fühlen sich nicht wie meine an, aber auch nicht mehr wie die der anderen. Sie sind leicht. Oder schwer. Ich kann es nicht sagen. Die Decke auf mir ist warm, aber sie hat kein Gewicht. Mein Atem geht flacher, als würde die Luft immer weiter wegziehen.

Da wieder! Dieses Mal stärker. Der Geruch schneidet durch das Rauschen. Es ist Jasmin. Er legt sich in jede Pore, kriecht in meine Lunge, schmeckt süß auf meiner Zunge. Ich sehe Bruder Fidelis vor mir, wie er damals den kleinen Tontopf vor mich stellte. „Aus dem Orient“, sagte er lächelnd „Ein Gruß aus der Ferne.“ Ich will ihm sagen, dass der Duft noch da ist. Aber meine Lippen bewegen sich nicht.

Die Stimmen sind noch leiser geworden. Oder ich bin weiter weg.

„Riecht ihr das echt nicht? Mein ganzes Leben lang habe ich mich nach meiner Nase orientiert. Ich rieche feuchte Sommerluft, das Gras und ganz, ganz stark rieche ich Jasmin…“, meine Stimme versickert. „Er kommt… weit… weit… über ein anderes, warmes Meer… zu mir… Hört ihr mich nicht? Warum antwortet ihr mir nicht?“

Etwas Weiches, etwas ohne Namen greift nach mir wie ein Tuch aus Licht. Jemand in der Ferne ruft meinen Namen, ein Wispern.

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